Busfahrer filmt sich selbst am Steuer

von Redaktion

Sein Geltungsdrang wurde ihm zum Verhängnis: Ein MVG-Busfahrer hat ein Video von sich gedreht, als er unterwegs war. Auf Facebook konnten Nutzer sehen, wie der Mann in die Kamera grinst und winkt, während er Passagiere befördert. Die MVG kündigt „disziplinarische Konsequenzen“ an.

VON LAURA FELBINGER

Erst kürzlich hat die Polizei einen Raser geschnappt, der mit 195 Stundenkilometern durch München fuhr. Auf die Schliche gekommen war man ihm, weil eine RTL-„Bachelor“-Kandidatin das Vergehen gefilmt und das Video auf der Plattform Instagram gepostet hatte (wir berichteten). Dass es nicht unbedingt die klügste Idee ist, seine Vergehen online zu stellen, muss nun auch ein Münchner Busfahrer am eigenen Leib erfahren.

Auf Facebook hatte er ein Video geteilt, das zunächst ihn selbst zeigt – mit blauem Hemd, dunkler Jacke und einer rot-blaugestreifen Krawatte, unschwer als Uniform zu erkennen. Er redet in einer fremden Sprache in die Kamera, grinst, sieht zwischendurch immer wieder auf – zur Straße, der eigentlich seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit gelten sollte. Nach ein paar Sekunden wechselt das Bild vom Selfie-Modus in die normale Ansicht. Man sieht eine verschneite Straße, die der Busfahrer offenbar gerade entlangfährt.

Das Video, das unserer Redaktion von einem Leser geschickt wurde, dauert 19 Sekunden – aber im Straßenverkehr zählt jede Sekunde, Handys sind am Steuer nicht erlaubt. „Wenn jemand auch noch Fahrer eines öffentlichen Busses ist, ist das natürlich ein spezieller Fall“, sagt Polizeisprecher Ersin Erol. Erst am Donnerstag hat die Polizei einen Schwerpunkttag zum Thema „Ablenkung im Straßenverkehr“ durchgeführt (siehe Kasten).

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), dass es sich bei dem Mann in dem Video um einen Münchner Busfahrer handelt, der auf der Linie 192 von Trudering nach Neuperlach Zentrum eingesetzt war. Das Video zeigt die Friedenspromenade in Trudering. Die MVG geht davon aus, dass der Mann das Video am Donnerstagnachmittag aufgenommen hat. „Bei dem Fahrer handelt es sich um einen Mitarbeiter eines Kooperationspartners. Wir haben veranlasst, dass er wegen des Videos kurzfristig zur Rede gestellt wird“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. Das Verhalten des Fahrers sei völlig inakzeptabel und werde „disziplinarische Konsequenzen haben“.

Die Polizei prüft das Video. „Es handelt sich dabei mindestens um eine Ordnungswidrigkeit“, sagt Erol. Welche Bestrafung auch immer dem Busfahrer blüht: In Zukunft wird er es sich wohl zwei Mal überlegen, was er tut – und ob er es ins Netz stellt.

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