Rüstig gegen den rechten Rand

von Redaktion

Seniorinnen blasen auch in München zum Kampf gegen Rassismus und Ressentiments

Die „Omas gegen Rechts“ zeigen bundesweit Flagge gegen rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft. Vor der Kommunalwahl rufen die couragierten Seniorinnen auch in München dazu auf, sich mit Wahlprogrammen gründlich auseinanderzusetzen.

Neonazis, die AfD und salonfähiger Faschismus: Dagegen sowie gegen einen Rechtsruck in der Gesellschaft protestiert die Bürgerinitiative „Omas gegen Rechts“. „Rechtes Gedankengut ist längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, und wenn man sich die Statistiken anschaut, ist es ganz klar, dass die größte Bedrohung von rechts kommt“, sagt Kerstin Lange. Sie ist Sprecherin der „Omas gegen Rechts“-Ortsgruppe aus Ingolstadt. Nicht zuletzt der Anschlag von Hanau zeigt, dass die „Omas“ damit eine aktuelle Problematik in Deutschland ansprechen.

Mit Blick auf die Kommunalwahl am 15. März spricht Lange sich dafür aus, dass es besonders jetzt wichtig sei, öffentlich für demokratische Werte Flagge zu zeigen. „Wir haben in Bayern nicht so viele Rechtsradikale, die sich aus der Deckung trauen, und man weiß nicht, wie sich das entwickelt. Wir wollen dagegen arbeiten, solange man noch etwas machen kann.“

Auch in München protestieren die Seniorinnen öffentlich unter dem Motto „Alt sein heißt nicht stumm sein“ und positionieren sich gegen Antisemitismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Faschismus, wie sie auf ihrer Website schreiben. „Von Norden bis Süden verbindet uns alle der Wunsch, mit wohlwissender Weisheit und unserer klaren Botschaft alle wachzurütteln, um sich gemeinsam gegen den hässlichen und gefährlichen Rechtsruck in Europa einzusetzen“, sagt Sabine Mairiedl, Sprecherin der Münchner Ortsgruppe. Ihre Kollegin Lange wünscht sich für die kommende Kommunalwahl: „Dass die AfD möglichst wenige Stimmen bekommt, und dass Wähler sich die Parteiprogramme genau anschauen – dann wissen sie, wen sie wählen können.“

„Omas gegen Rechts“, kurz OGR, nennen sich auf ihrer Website „eine zivilgesellschaftliche überparteiliche Initiative, die sich in den politischen Diskurs einmischen will“. Neben der Gruppe in München setzen sich die „Omas“ in Füssen, Aschaffenburg, Rosenheim, Ebensfeld, Würzburg, Dachau, Ingolstadt und Nürnberg „gegen rechts“ ein. Bundesweit gibt es der Website zufolge derzeit mehr als 60 Ortsgruppen. Nach Angaben der Münchner Sprecherin Mairiedl sind seit dem Anschlag in Hanau vom 19. Februar zwei Ortsgruppen hinzugekommen – „und es werden täglich mehr Mitwirkende“.

Gründungsdatum der Gruppe ist der 27. Januar 2018. Der Tag, an dem die Initiative ihre eigene Facebookseite angefangen hat. Mehr als 2200 Menschen haben die Facebookseite „D – Omas gegen Rechts“ abonniert. Regelmäßig veröffentlichen die Seniorinnen dort politische und satirische Artikel und Bilder.

Inspirieren ließen sie sich dabei von den benachbarten „Omas“ in Österreich. Die eröffneten ihre Facebook-Seite schon im November 2017. Seitdem wurden acht Gruppen in Österreich gegründet, wie der Website zu entnehmen ist. Weiter heißt es, dass nicht nur Seniorinnen bei dem Protest teilnehmen dürfen: „Willkommen sind aber auch Opas, Kinder, Enkelkinder, Freund*innen. Alle, die sich mit unserem Grundsatz identifizieren, können jederzeit mitmachen.“

Die Münchner Ortsgruppe war im Februar bei der ZDF-Sendung „Die Anstalt“. Sie sang dort ihre ganz eigene Version des Kinderliedes „Hühnerstall“ – ihre satirische Antwort auf Kritik von rechts an dem WDR-Kinderchorlied „Meine Oma ist ’ne Umweltsau“. In der Sendung sangen sie: „Seid versichert, Oma ist ’ne coole Sau! – Und beleidigt nur, wenn anonyme Hetzer und Dummschwätzer sich vor uns werfen mit Protestgeschrei und so tun, als wär’n sie Oma-Polizei!“ Weiter ging es mit den Worten: „Der Spaß ist jedoch dann ganz schnell vorbei, benutzt man uns für rechte Heuchelei.“ ELISABETH THOUET

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