Nockherberg: Derblecken vor Absage

von Redaktion

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus kann der Starkbieranstich auf dem Nockherberg wohl nicht wie geplant stattfinden. Grund: Die Politiker sollen einer Empfehlung des Landesamts für Gesundheit folgen und dem Derblecken fernbleiben.

VON SARAH BRENNER UND NADJA HOFFMANN

Es ist kurz nach halb zwölf am Freitag, als Andreas Steinfatt zur Nockherberg-Pressekonferenz kommt. 35 Minuten zu spät, angespannt und mit ernstem Blick. Der Chef der Paulaner-Brauerei schüttelt kurz den Kopf, als er das Team der Salvator-Probe sieht. Damit ist klar, was sich viele der wartenden Pressevertreter schon gedacht haben. Es kann nichts Gutes heißen, wenn Steinfatt lange mit Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) telefonieren muss, statt über das diesjährige Derblecken zu informieren.

Kurze Zeit später ist klar: Das Coronavirus macht den Plänen für den Starkbieranstich einen Strich durch die Rechnung. Das Landesamt für Gesundheit (LGL) habe den geladenen Politikern empfohlen, die für Mittwoch geplante Veranstaltung nicht zu besuchen. „Wir sind in engem Kontakt auch mit der Gesundheitsministerin. Und auch da gehen die Signale in die Richtung, dass der Nockherberg so nicht stattfinden soll beziehungsweise wird.“ Das heißt: Der Abend mit 570 geladenen Gästen, darunter viele Hochkaräter aus der Politik, ist quasi abgesagt. Solange das Paulaner nicht schriftlich vorliegt, „stirbt die Hoffnung zuletzt“, sagt ein „enttäuschter und frustrierter“ Steinfatt.

Paulaner will nun intensiv prüfen, inwieweit das Derblecken trotzdem stattfinden kann. Zu den Gedankenspielen gehören eine Art Generalprobe samt Fastenpredigt mit Maximilian Schafroth vor Publikum, eine Aufführung vor Journalisten oder nur als TV-Übertragung. Zu viel Arbeit sei in die Fastenrede und das Singspiel – geplant ist ein Märchen mit dem Titel „Alles geht gut aus“ – geflossen. Dass die Behörden den Empfehlungen des bayerischen Corona-Krisenstabs folgen, teilte Huml mit. „Dies gilt auch für eine Veranstaltung wie den Starkbieranstich auf dem Nockherberg.“ Natürlich bedauere sie, wenn der Termin ausfallen muss. Aber: „Der Schutz der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität.“

Was das für das Starkbierfest bedeutet, das vom 13. März bis 5. April laufen sollte und zu dem bis zu 80 000 Gäste erwartet wurden, konnte Steinfatt noch nicht sagen. Wie jede Großveranstaltung stehe es auf dem Prüfstand. Bei einem Ausfall müssten die Nockherberg-Chefs Florian Lechner und Christian Schottenhamel eigenen Angaben nach wohl mit Einbußen im siebenstelligen Bereich rechnen.

„Wie kann es sein“, schimpft Schottenhamel, „dass sich die Behörden hinstellen und den Politikern raten, den Nockherberg zu boykottieren.“ Was es dringend bräuchte, wäre eine klare Linie, ein starkes Signal von der Regierung, das eindeutig festlegt, wie man mit Großveranstaltungen umzugehen hat. Nur Empfehlungen auszusprechen und den Veranstaltern damit die alleinige Verantwortung aufzudrücken, sei ein Akt der Feigheit. „So etwas geht nicht“, sagt Schottenhamel. Schließlich stünden dabei Existenzen auf dem Spiel.

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