Alexander Kastner (30) hat einen ganz besonderen Draht zur Heilig-Geist-Kirche im Tal. Der Mesner kann nämlich jederzeit von seinem Handy aus live in das Gotteshaus schauen. So hat er am Donnerstagabend einen Dieb überführen können – und einen Tag später auch noch dessen Komplizen. Für den Einsatz des Mesners bedankt sich der Pfarrer der Kirche mit einer besonderen Geste.
„Ich war gegen 17 Uhr in der Kirche, um sie zuzusperren, da fiel mir der Mann am Opferstock auf“, erzählt Kastner. Die Heilig-Geist-Kirche ist zweigeteilt, vom Kirchenschiff sieht man nicht auf die Opferstöcke, die sich im Eingangsbereich befinden. Kastner: „Ich habe so getan, als wäre ich ein ganz normales Gemeindemitglied und habe mich auf eine Bank gesetzt.“ Dann zückt der 30-Jährige sein Handy mit dem er direkt auf die 16 Kirchen-Kameras zugreifen kann. Sein Verdacht bestätigt sich: Der Unbekannte zieht mithilfe eines doppelseitigen Klebebands Scheine und Münzen aus den Kästen. „Ich wusste, wenn ich ihn stelle, haut er ab“, so der Mesner.
Also verlässt Kastner die Kirche und winkt einen vorbeifahrenden Streifenwagen her. „Die Polizisten sind durch beide Eingänge gekommen, haben den Mann umzingelt und dann festgenommen“, beschreibt der 30-Jährige die Szene.
Die Heilig-Geist-Kirche war wohl nicht die erste Kirche, die der Mann plünderte. „Er hatte beide Hosentaschen voll mit Geld und auch Marihuana dabei“, so der Mesner, der vermutet, dass der Mann Teil einer Bande ist. Die Polizei ermittle auch dahingehend.
Am Freitag dann die nächste Überraschung: „Ich habe mir da die Bänder erneut angesehen und stellte fest: Da war noch ein zweiter Mann“, so der Mesner. Ein paar Stunden später spaziert eben dieser Mann erneut in die Heilig-Geist-Kirche – und damit in Kastners Fänge. Der aufmerksame Mesner verständigt die Polizei – und hat den nächsten Dieb gestellt. Kastner schätzt, dass die Opferstockdiebe im Schnitt 200 bis 300 Euro aus der Kasse ziehen können.
Seit fünf Jahren ist die Kirche im Tal videobewacht – und nicht nur das: „Für die Opferlichter habe ich gemeinsam mit dem Hersteller einen Mechanismus entwickelt, damit die Scheine beim Herausziehen zerreißen“, erklärt der Mesner. Demnächst wolle er auch die Opferstöcke nachrüsten.
Mit seinem Einsatz hat Kastner sich aber schon jetzt die Anerkennung seines Vorgesetzten, Pfarrer Rainer Maria Schießler, verdient. „Alexander Kastner zeigt immer wieder seinen Einsatz für die Kirche, das muss belohnt werden“, schwärmte er. „Wir haben eine Leidenschaft: das Motorradfahren. Deshalb lade ich ihn auf eine Ausfahrt mit dem Motorrad ein – zwei Tage Sonderurlaub gibt es dafür obendrauf“, sagte der Pfarrer. Kastner weiß noch nichts von seinem Glück. Wohin es geht, wusste auch Schießler noch nicht, aber eine grobe Richtung gab er schon einmal vor: „So weit weg, wie Corona es uns erlaubt!“ STÉPHANIE MERCIER