Investor gibt auf – Stadt übernimmt

von Redaktion

Zeitaufwendige Genehmigungsverfahren bei der Stadt gepaart mit heftigem Gegenwind einer örtlichen Bürgerinitiative – davor kapituliert nun im Fasangarten ein Münchner Investor. Jetzt will die Stadt das Wohnungsbauprojekt übernehmen.

VON CARMEN ICK-DIETL

Etwa 230 Wohnungen sowie eine Kindertagesstätte sollen zwischen Münchberger und Kronacher Straße, Salzburger Autobahn und Fasangartenstraße entstehen. Knapp ein Drittel des etwa 3,8 Hektar großen Gebiets befindet sich im Eigentum der Stadt. Nun hat der Eigentümer der restlichen Fläche, eine Projektgesellschaft der Optima-Aegidius-Gruppe und der IKR Kuschen Unternehmensgruppe, der Stadt seinen Anteil zum Kauf angeboten.

Offenbar ist man entnervt von dem langen Planungsvorlauf in München. Die Aufstellung des notwendigen Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans laufen bereits seit 2016. Nach vier Jahren soll in Kürze alles dem Stadtrat zur Billigung vorgelegt werden. Im Sommer könnten dann endlich alle Voraussetzungen für die Einreichung der Baugenehmigung vorhanden sein. Dann aber müssten erst die als Lärmschutz gedachten Riegel der Gewofag entlang Autobahn und Bahn gebaut werden. Wegen der umfangreichen Vergabeverfahren ist für die städtische Wohnungsbaugesellschaft aber eine Realisierung voraussichtlich erst in fünf Jahren nach Satzungsbeschluss möglich.

Der Investor hätte jedoch deutlich früher bauen wollen. Deshalb kam auch kein Kooperationsvertrag zwischen dem Investor und der Gewofag zustande.

Nerven kosten auch die massiven Proteste aus der ans Baugebiet angrenzenden Gartenstadtsiedlung. So hatten Gegner des Bauvorhabens beispielsweise im vergangenen Jahr immer wieder behauptet, es würden an der Münchberger Straße sehr viel mehr, nämlich rund 400 Wohnungen gebaut. Auch wenn die Falschinformation immer wieder korrigiert wurde, vor Ort blieb das Misstrauen. Es bildete sich eine Bürgerinitiative gegen die Neubaupläne. Einer ihrer maßgeblichen Wortführer kandidiert aktuell ganz vorne auf der neuen „München-Liste“ für den Stadtrat.

Nun also hat sich der Investor von seinen Bauplänen verabschiedet. Was allerdings keine Komplett-Absage des Projekts bedeutet. Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, hier einzuspringen. Man will das Gelände für rund 33 Millionen Euro ankaufen und dort eine eigene Entwicklung vorantreiben. Dabei sollen im Rahmen einer Bürgerbeteiligung die Interessen der Anlieger entsprechend berücksichtigt werden. Die Anzahl der Wohneinheiten soll in etwa beibehalten werden.

Die Anwohner haben vor allem Angst vor dem zusätzlichen Verkehr in ihren Tempo-30-Zonen. Ihnen ist die geplante Bebauung auf dem heutigen Acker einfach zu hoch und zu viel. Man werde hier künftig keine Luft zum Atmen mehr bekommen, so die Befürchtung. Zudem könnte das Viertel so viele Zuzüge nicht verkraften, die bestehende Sozialstruktur werde sich negativ verändern. Gebaut werden dürften allenfalls zweigeschossige bzw. Doppelhäuser, aber keinesfalls die geplanten sieben drei- bis viergeschossigen Punkthäuser. Ein weiteres Argument: Die Neubürger würden dem massiven Lärm der angrenzenden Autobahn und der S-Bahnlinie Giesing-Kreuzstraße ausgesetzt. Zwischen den Gebäuderiegeln wird daher eine hohe, aber auch teure Lärmschutzwand errichtet.

Der Ankauf birgt für die Stadt durchaus ein Risiko. Schließlich gibt es momentan noch kein Baurecht für das Areal und es ist schwer vorauszusehen, was nach einer Übernahme des Grundstücks durch die Stadt passiert. Zudem sind die riesige Tiefgarage unter dem Grundstück sowie die fünf- und sechseckigen Häuser viel teuer als bei den üblichen Gewofag-Projekten.

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