Schon am Morgen kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an, dass der Freistaat das Besuchsrecht deutlich einschränken wird. Dies geschehe zum Schutz alter und kranker Menschen – Menschen also, die zu den Corona-Risikogruppen gehören.
Im Laufe des Tages zogen dann einige Kliniken nach. Ulrike Haeser, Sprecherin des Isar Klinikums teilte mit, dass Besuche nun untersagt seien. „Nur in Fällen, in denen Besuch medizinisch notwendig ist, können wir eine Ausnahme machen. Darüber entscheidet der behandelnde Arzt“, sagte Haeser. Auch die München Klinik sprach ein Besuchsverbot aus. „Gerade ältere Patienten und Patienten mit Vorerkrankungen, die ein höheres Risiko für einen schwereren Covid 19-Verlauf aufweisen, profitieren davon, wenn in der aktuellen Situation anstelle eines persönlichen Besuches mit den Enkeln gemeinsam zum Telefon gegriffen wird“, teilte die kommunale Klinikgesellschaft mit. Ausnahmen gelten für minderjährige Patienten, Geburten oder Ausnahmensituationen – jedoch immer nach Absprache.
Eine einheitliche Regelung war zunächst nicht absehbar, am Nachmittag sprach OB Dieter Reiter (SPD) dann ein Machtwort: In allen Münchner Krankenhäusern sowie in Behindertenheimen gilt nun ein Besuchsverbot. Nur in „begründeten Ausnahmefällen“ sei ein Besuch möglich.
Das könnten beispielsweise palliative Situationen sein, sagte Siegfried Benker, Geschäftsführer des Münchenstifts. „Mir tut das leid, da wir wissen, wie sehr Bewohner auf Angehörige angewiesen sind“. Bei der Caritas gilt für notwendige Besuche künftig ein Mindestabstand von zwei Metern zum Personal.
Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Peter Bauer, kritisierte die Verbote: Gerade pflegebedürftige Menschen würden durch sie zusätzlich belastet. Ein Beispiel ist Gisela Mercier (89). Seit vier Tagen wohnt sie im Altersheim – und plötzlich sind die Türen verschlossen. „Man sitzt die ganze Zeit im Zimmer. Gymnastik, Singkreis und andere Aktivitäten sind abgesagt“, sagt Mercier. Mittags habe sie noch mit anderen Bewohnern essen dürfen, ob das auch weiterhin möglich ist, wisse sie noch nicht.
Den letzten Weg soll niemand
allein gehen müssen