Ein Coronafall sorgte am Freitagmorgen für Aufregung in der Onkologischen Tagesklinik des Klinikums der Ludwig-Maximilians Universität (LMU) in der Ziemssenstraße: Dorthin kommen normalerweise Krebspatienten für ihre ambulante Chemotherapie. Am Freitag blieben die Türen der Abteilung im ersten Stock des Hauses geschlossen – aufgrund eines bestätigten Coronafalles, wie sich herausstellte. Ein Patient berichtet.
„Schon am Eingangsbereich wurde ich mit dem Thema Coronavirus konfrontiert“, berichtet Peter S. (Name geändert), der als Krebspatient derzeit eine ambulante Chemotherapie in der Tagesklinik erhält. „Da saß ein Mann mit Mundschutz, bei ihm drei Ärzte im weißen Kittel, ebenfalls mit Mundschutz. Ich schnappte aus dem Gespräch ihre Fragen nach seiner Erkältung auf, wie lange er sie schon habe und wie es ihm gehe. Da war mein erster Gedanke: Hier im Haus ist Corona.“
Die Ahnung von Peter S. sollte sich wenig später bestätigen – auch wenn sie mit dem Patienten, den er gesehen hatte, gar nichts zu tun hatte. Der Zugang zu den Behandlungsräumen der Tagesklinik im ersten Stock, in denen die Chemotherapien verabreicht werden, sei unüblicherweise geschlossen gewesen. Noch am Donnerstag hätten hier zahlreiche Patienten per Infusion in zum Teil stundenlangen Sitzungen ihre Medikamente erhalten.
Am Freitag nun warteten auf dem Gang davor etwa ein Dutzend Patienten. „Immer wieder eilten Ärzte und Pflegepersonal mit Mundschutz über die Gänge“, schildert Peter S. „Nach etwa 30-minütiger Wartezeit trat ein Professor vor uns und teilte uns ruhig und sachlich mit, dass es einen Coronafall im Haus gebe. Deswegen könnten jetzt und übers Wochenende keine Therapien verabreicht werden“, schildert er. Über das weitere Vorgehen werde man die Patienten am Montagnachmittag telefonisch informieren.
„Diese Nachricht wurde von uns Patienten – entsprechend dem Aufruf der Kanzlerin zur Solidarität – ruhig und mehr oder weniger gefasst aufgenommen“, beschreibt Peter S. die Reaktion der Wartenden. „Der Professor und eine Oberärztin standen dann noch für Fragen bereit. Nicht einmal ein Rezept für eine Krebspatientin, die medikamentös behandelt wird, konnte ausgestellt werden. Alle Patienten, bei denen eine Verschiebung der Therapie medizinisch verantwortbar war, wurden auf die kommende Woche vertröstet.“
Dass es tatsächlich einen Coronafall in der Tagesklinik gab, bestätigt Kliniksprecher Philipp Kreßirer. „Am Donnerstagabend gegen 21 Uhr wurde uns der positive Test eines ärztlichen Kollegen mitgeteilt“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. So spät habe man die Patienten nicht mehr anrufen wollen. Darum wurden sie am Freitagmorgen informiert; die Station blieb geschlossen.
Patienten, die direkten Kontakt mit dem betroffenen Arzt hatten, seien angerufen und aufgefordert worden, zu Hause zu bleiben. Im Falle von Symptomen sollten sie sich in der Klinik melden. Auch die Mitarbeiter der Station wurden heimgeschickt und sind jetzt in häuslicher Quarantäne. Wie es nun weitergeht? Am Montag wolle man entscheiden, ob die Station wieder öffnen kann und der Betrieb am Dienstag weitergehen könne. Die Patienten würden entsprechend informiert. mm