Die Corona-Krise sorgt für eine Zäsur auf dem angespannten Münchner Wohnungsmarkt. „Normalerweise ziehen im Schnitt 5000 Münchner pro Monat um, pro Jahr sind es 60 000 Umzüge“, rechnet Rudolf Stürzer, Vorsitzender von Haus und Grund München, vor. Jetzt aber ist weitgehend Schluss mit der Mobilität, umzuziehen ist nur noch in ganz dringenden Fällen erlaubt, sagen die neuen Vorschriften. Gleiches gilt übrigens auch für Wohnungsbesichtigungen, die in München ohnehin oft Massenveranstaltungen sind.
„Immobilien anschauen, das geht jetzt nicht mehr. Nur wer einen dringlichen Grund hat – etwa eine Kündigung – darf raus, um Wohnungen zu besichtigen“, erklärt Haus-und-Grund-Chef Stürzer. Zudem wollen viele Vermieter gar keine Besucher. So erging es jedenfalls Isabella B. (25). Die Münchnerin hatte vergangene Woche einen Termin vereinbart, wollte sich eine Wohnung in der Nordendstraße ansehen – fand vor Ort aber nur einen Zettel an der Haustür. Auf dem war zu lesen, dass die Besichtigung nicht stattfinden könne.
Vera Baum, die Vermieterin der Vonovia in München, kennt das Problem nur zu gut. Eigentlich zeigt sie ständig Mietinteressenten frei gewordene Wohnungen des Konzerns. Nun sind zwar Besichtigungen noch immer möglich – aber nur einzeln, ohne Händeschütteln, versteht sich.
Einzeln? Wie soll das gehen bei Deutschlands größtem Wohnungskonzern – mit 400 000 Wohnungen? Genau darüber wird derzeit fast täglich in der Konzernzentrale in Bochum diskutiert. Man will ja die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich halten.
Ein Problem wegen des Coronavirus haben auch die Wohnungseigentümer – bei Haus und Grund gehen jedenfalls derzeit unzählige Anrufe ein. Der Grund: Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, Eigentümerversammlungen abzuhalten. Aber: Auch die sind zur Zeit verboten, stellt Rudolf Stürzer klar. In Bayern auf jeden Fall bis 19. April – und vielleicht auch noch länger, wenn die Staatsregierung das verhängte Kontaktverbot verlängert.