Es wird eng für die Wiesn

von Redaktion

Wegen Corona steht auch das größte Volksfest der Welt auf der Kippe – Entscheidung im Mai

Die Wiesn wackelt. Wegen der Corona-Krise ist eine Absage oder ein Verbot des Oktoberfests im Moment die wahrscheinlichere Option, heißt es in Kreisen der Staatsregierung. Zwischen Ostern und Ende Mai müsse man eine Entscheidung fällen. Formal für die Wiesn zuständig ist die Stadt – angesichts der Veranstaltungsverbote vom Freistaat wäre ein Fest mit hunderttausenden Gästen aber auch rechtlich aktuell ausgeschlossen.

Aus Rathauskreisen sickert ebenfalls hinter vorgehaltener Hand durch, dass die Wiesn auf der Kippe steht. Wirtesprecher Peter Inselkammer mag sich indes momentan keine Absage des Oktoberfests ausmalen. Er sagt: „Ich hab immer noch Hoffnung, dass sich die Lage bis zum Sommer wieder entspannt.“ Die Reservierungsanfragen seien zwar „ein bisserl zurückhaltender als sonst, doch die Vorbereitungen laufen“. Im Moment sei eine definitive Absage „noch kein Thema“. Ähnlich äußerte sich der städtische Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) in der Vorwoche. OB Dieter Reiter sagte unserer Zeitung gestern: „Eine endgültige Entscheidung, ob das Oktoberfest dieses Jahr stattfinden kann, muss spätestens Ende Mai, Anfang Juni getroffen werden, vor Beginn der Aufbauarbeiten. Wir werden in enger Abstimmung mit dem Freistaat unter Berücksichtigung der aktuellen Situation eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen.“

Für den Lauf des April wird ein Gespräch von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und dem dann gewählten Oberbürgermeister erwartet. Die Lage sei sehr knifflig, heißt es aus der Regierung. Sich früh auf eine Absage der Wiesn festzulegen, bringe wirtschaftlich Klarheit. Das sende den Menschen europaweit aber das Signal, drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens stünden noch bis Herbst an.

Aktuell sind alle Ausgangsbeschränkungen bis 3. April befristet, eine moderate Verlängerung bis Ostern gilt als wahrscheinlich. Gegenwärtig sei eine Entscheidung noch nicht notwendig, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) unserer Zeitung. Wie Reiter sieht er einen Spielraum bis Mai, maximal Juni, wenn der Aufbau beginnt. „Schauen wir, wie wir nach Ostern dastehen“, so Herrmann. Großen Optimismus mag er nicht verbreiten: „Wir müssen sehen, dass die Wiesn mit Blick auf das Infektionsgeschehen ein besonderes Risiko darstellt. Aus der Welt wird das Virus bis September nicht sein.“

Sorge äußern Landespolitiker vor allem vor einem erneuten Aufflammen von Infektionen durch die Wiesn – europaweit, nicht zuletzt reisen jedes Jahr zehntausende Italiener an. Abstandsregeln wären auf dem größten Volksfest der Welt wohl kaum einzuhalten.  cd/kv/sb

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