Andrang vor dem Drive-in auf der Theresienwiese, belegte Leitungen bei der Corona-Hotline 116 117, Betrieb im Walk-through-Zelt in Schwabing – und viele, viele Fragen. Läuft in München alles rund bei den Tests, die die Stadt und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) machen lassen? Ja, sagt das Gesundheitsamt und verweist auf die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI), gemäß denen Abstriche gemacht werden. Allerdings: Gemäß eben jenen Regeln gibt es auch viele Menschen, die ungetestet bleiben. Wie hoch die Dunkelziffer an Corona-Infizierten ist, weiß daher niemand.
München hält deutschlandweit einen traurigen Rekord: Im Landkreis-Vergleich des RKI steht die Stadt mit 1687 bestätigten Fällen (gestern, 16 Uhr – das sind 111 Neuinfektionen) vor Hamburg mit 1265 an erster Stelle. Die Menschen müssen jetzt Kontakte meiden. Denn nach wie vor werden nur Bürger getestet, bei denen ein begründeter Verdacht auf eine Infektion vorliegt. Dieser besteht etwa, wenn jemand Symptome wie Fieber oder Husten hat – und in Kontakt zu einem bestätigten Corona-Patienten stand, maximal 14 Tage vor Erkrankungsbeginn. Zweiter Test-Grund: Jemand hat Symptome und war zuvor in einem Risikogebiet, etwa Italien. Wer diese Kriterien nicht erfüllt, wird nicht getestet.
Das macht die Grauzone groß. Denn ein Infizierter muss keine Symptome entwickeln, kann aber trotzdem andere anstecken. Dieser andere Angesteckte kann dann nicht getestet werden, weil er ja keinen Kontakt zu einem bestätigten Patienten hatte… Wer ins Test-Raster fällt, der wird über den Arzt zum Abstrich geschickt.
Nach diesem Prinzip wird die KVB in ganz Bayern aktiv. „Aktuell sind 216 Fahrzeuge des Bereitschaftsdienstes unterwegs, die über drei Schichten rund um die Uhr genutzt werden. Insgesamt sind 648 Ärzte im Einsatz“, sagt Sprecher Dr. Axel Heise. Allein am Montag gab es im Freistaat laut KVB 1907 Corona-Tests, davon 1258 via Hausbesuch und 649 in Abstrichzentren.
Eines davon steht auf der Theresienwiese und sorgte schon wegen Staus für Schlagzeilen. Zu viele Münchner wollten sich testen lassen, obwohl das nur mit Termin möglich ist. „Es gibt drei Fahrstreifen mit je zwei Zelten“, so Heise. „Im ersten Zelt werden die Daten von den Mitarbeitern der Aicher Ambulanz aufgenommen, im zweiten wird der Abstrich von einem Arzt gemacht.“ 342 waren es allein am Montag.
Eine Vielzahl von Tests ist auch im zweiten Drive-in in der Bayernkaserne pro Tag möglich. Die Behörde ermittelt nach wie vor Kontaktpersonen positiv Getesteter und schickt diejenigen, bei denen eine Infektion wahrscheinlich ist, zur Bayernkaserne.
Jeden positiven Test muss das Labor ans Gesundheitsamt melden. Das laufe automatisiert ab, erklärt eine Behördensprecherin. Verzögerungen im Meldesystem, über die deutschlandweit berichtet wurde und die die Statistiken verfälschten, gebe es in München nicht, betont sie. Allerdings zieht es sich inzwischen, bis Ergebnisse vorliegen. „Das kann mehrere Tage dauern“, sagt KVB-Sprecher Heise. Was an den vielen Tests und den „begrenzten Laborkapazitäten“ liege.
Seit 2. März wurden in der Landeshauptstadt 20 000 Abstriche gemacht – und das allein durch die KVB. Enorm ist auch die Zahl der Menschen, die sich über die Corona-Hotline 116 117 übers einen möglichen Test informieren will. „Wir haben“, sagt Heise, „derzeit zwischen 7000 und 8000 Anrufe pro Tag.“