Es gibt mittlerweile ein Weltmeer an Corona-Witzen, die einem irgendwie per Mail, Fax, Brieftaube oder WhatsApp zugeleitet werden. Der größte Teil dieses Witzemeeres ist flach, nur manche erreichen eine gewisse Tiefe. Den hier fand ich zum Beispiel nicht schlecht: „Falls ihr auch euer Zeitgefühl verloren hab: Heute ist Montwoch, der 47. März“.
Denn es ist ja wirklich so: Die Verkehrslage ist montags wie sonntags, die Zahl der Spaziergänger dienstags wie samstags und sonntagabends fühle ich mich nicht so erholt, wie sonst nach dem Wochenende, sondern so wie an einem Montagabend. Alles geht ineinander über, Arbeit, Kinderbetreuung, Haushalt. Gut, dass ich wenigstens einmal am Tag weiß, welcher Tag es ist: wenn ich morgens diese Zeitung aus dem Briefkasten hole.
Durch den völligen Verlust des Zeitgefühls einerseits und das Multitasking zwischen Arbeit und Familie im Homeoffice lebt meine Familie in einem komischen Zeit-Brei, in dem zu jedem Zeitpunkt alles sein kann. Zum Beispiel zieht sich das Mittagessen mittlerweile von etwa 11 Uhr bis 14.30 Uhr hin. Um 11 Uhr werden erste Ideen entwickelt und abgefragt, was es denn so geben könnte, wobei wir aktuell nur Sachen kochen, die zu 100 Prozent anerkannt werden. Es ist während Corona leider nicht die Zeit, die Kinder an Bouillabaisse oder „Kaltschalen von dem Marktsellerie“ heranzuführen. Mittags gibt es das, was man im Fußball „sichere Elfmeterschützen“ nennen würde: Nudeln, Fischstäbchen, Reiberdatschi.
Wenn dann das Essen festgelegt wurde, heißt das natürlich nicht, dass deshalb auch schon gekocht würde. Denn dann kommt noch ein Anruf von A oder eine E-Mail von B oder gar eine Videoschalte mit C und D, zum Glück hat man sich noch schnell einen Pulli über den Schlafanzug gezogen. Währendessen lutschen die hungrigen Kinder schon mal an angetauten Fischstäbchen. Endlich wird gekocht und man ruft „gleich!“ und dann wieder „gleich!“. Und kaum ist das Mittagessen gegen 14 Uhr wirklich fertig, zahlen die lieben Kinder natürlich alles heim. Sie spielen erst mal seelenruhig weiter („Ich hatte bis jetzt Hunger, jetzt hab ich keinen mehr!“) dann waschen sie – oh Wunder – tatsächlich ihre Hände, aber natürlich ewig („Aber ihr wollt doch, dass wir gründlich sind“). Irgendwann sitzen sie am Tisch und dann kommt natürlich das, was man jetzt noch gebraucht hat: „Aber ich hatte doch gesagt, dass ich Nudeln will!“ Ein ganz normaler Tag, und der Nachmittag steht erst noch bevor. Danke, Corona!
Aber zum Glück steht in wenigen Tagen Weihnachten vor der Tür und Ihnen jetzt erst mal einen schönen entspannten Donnerstag!
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