Taxi-Lösung bedroht Busfirmen

von Redaktion

VON SASCHA KAROWSKI

Um über die Runden zu kommen, muss sich Markus Ilmberger etwas einfallen lassen. „Ich habe jeden Monat mehrere Tausend Euro Fixkosten, die ich aufbringen muss“, sagt der 50-jährige Unternehmer. „Da ist noch kein Euro für mich drin. Ich verdiene derzeit nichts.“ Ilmberger hat ein Schulbusunternehmen und einen Mietwagenservice. Beide stehen still. „Wir haben Verträge mit der Stadt München. Nachdem am 8. März die Schulen geschlossen wurden, haben wir einen Brief bekommen, in dem drinstand, dass wir nicht mehr benötigt würden.“ Die Stadt habe danach nicht mehr gezahlt. „Bis vor 14 Tagen haben wir keinen einzigen Schüler transportiert“, sagt Ilmberger. Dabei befördert er mit seinem Kleinbus unter anderem Kinder aus Sonder- und Förderschulen, die zum Teil wieder in die Schule gehen. „Die werden aber jetzt mit Taxen gebracht“, erzählt der Unternehmer. Er selbst darf mit seinem neunsitzigen Kleinbus noch genau ein Kind fahren. Und das auch nur morgens. „Die Beförderung am Nachmittag wurde uns gestrichen.“

Die Beförderung der Schulkinder erfolgt in München zu sehr großen Teilen mit dem öffentlichen Nahverkehr. Rund 25 000 Schüler erhalten dafür Fahrkarten. „Der Einsatz von Taxis kommt nur dann infrage, wenn auf derselben Strecke zur selben Schule nur für eine geringe Anzahl an Schülern ein Beförderungsanspruch besteht“, sagt eine Sprecherin des Referates für Bildung und Sport (RBS). In dem Fall sei eine Beförderung mit Taxis wirtschaftlicher. In München würden so circa 200 Schüler transportiert. Weil die Schulen nur schrittweise geöffnet werden, könne es durchaus möglich sein, dass Busunternehmen derzeit nur einen Schulbus mit einem Kind im Einsatz haben. „Die Schulbuslinien wurden seitens der Münchner Verkehrsgesellschaft nicht gekündigt, sodass diese Linien reaktiviert werden, wenn Bedarf besteht“, sagt die Sprecherin.

Klar scheint derweil, dass Unternehmer wie Markus Ilmberger vor dem Aus stehen. „Mir brechen 99 Prozent meiner Einnahmen weg“, sagt der 50-Jährige. Die 5000 Euro Corona-Soforthilfe des Freistaates habe er zwar bekommen, das Geld des Bundes aber nicht. „Die Anträge wurden abgelehnt.“ Ilmbergers Frau, die vorher in der Firma tätig war, habe sich bereits einen neuen Job gesucht und glücklicherweise auch einen gefunden. Andere Fahrer haben aber derzeit kein Einkommen. „Wir haben große Probleme. Es geht auch um Arbeitsplätze“, sagt Ilmberger. Hinzu kommt: Die Stadt habe keinen Cent Unterstützung gegeben. „Der Landkreis hat seine Schulbusunternehmen für die Standzeiten teilweise entschädigt. Das passiert auch an privaten Schulen.“

Tatsächlich prüft auch die Stadtverwaltung München derzeit, ob es Entschädigungen für die Busunternehmen gibt. CSU-Stadtrat Sebastian Schall hatte das Thema jüngst mittels einer Anfrage aufs Tapet gebracht. Er sagt: „Es ist wichtig, sich um unsere mittelständischen Busunternehmen zu kümmern. Deswegen fordern wir, so schnell wie möglich diese wieder zur Beförderung einzusetzen und dass ihnen in der Zwischenzeit die Stadt eine Entschädigung zukommen lässt.“ Die mittelständischen Unternehmen, so Schall nachdrücklich, „müssen unterstützt werden“.

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