Das Platz-Problem

von Redaktion

VON ANDREAS THIEME

Kommt die Sonne raus, ist in der Stadt kaum noch ein Platzerl frei. So kennt man das aus Münchner Sommern. Doch heuer ist das wegen Corona potenziell gefährlich. Trotzdem stürmten die Münchner am Wochenende wieder zu Tausenden die Parks, saßen in Scharen an der Isar und am Gärtnerplatz – „um dort zu feiern“, sagt Ralf Kästle, Pressesprecher der Münchner Polizei, die allein am Freitagabend in der Spitze 10 000 Leute an der Isar zählte. Von Samstag auf Sonntag seien es dann noch gut 5000 gewesen.

Das Virus, das uns monatelang in Schach gehalten hat, scheint für viele plötzlich weit weg. Und auch auf die Abstandsregelung wird vielerorts nicht mehr so genau geachtet wie noch vor Wochen, als der Alltag plötzlich unsicher wurde. Experten halten das nach wie vor für gefährlich – auch wenn die Zahlen aktuell harmloser klingen: 14 Neuinfektionen hat es am Freitag in der Stadt gegeben. Insgesamt wurden in München 6719 Infektionen bestätigt. 6183 Münchner sind wieder genesen, 218 gestorben. Die Reproduktionszahl liegt mittlerweile bei 1,02: Statistisch gesehen stecken 100 erkrankte Münchner also 102 andere an. Das ist ein guter Wert in der Pandemie. Aber bleibt er so niedrig?

Fakt ist: Die Ordnungshüter müssen weiterhin die Corona-Regeln durchsetzen. Nicht ganz einfach bei diesem Ansturm. „Die Polizei war mit zahlreichen zusätzlichen Einsatzkräften im Stadtgebiet unterwegs, um für Sicherheit zu sorgen“, sagt Ralf Kästle. Ihm zufolge waren es „mehrere Hundert“ zusätzliche Beamte. Allein 50 sorgten Samstagabend am Gärtnerplatz für Ruhe, nachdem sich Anwohner über Lärm beschwert hatten. Mit gutem Zureden gelang es den Beamten, den Platz nach Mitternacht leer zu bekommen – ohne Ausschreitungen oder gar Festnahmen. Auch am Wedekindplatz hat das funktioniert. Nur auf der Leopoldstraße kam es zu einzelnen Platzverweisen und Anzeigen.

Keine Frage: München hat wegen Corona ein Platzproblem. Weil Discos und Bars noch nicht aufsperren dürfen, „zieht es mehr Leute eben nach draußen“, sagt Kästle. Besonders die jüngeren. An die Isar, an den Gärtnerplatz oder in den Englischen Garten. Doch die Folgen in der Stadt sind teilweise gravierend: Zur Infektionsgefahr kommen noch Müllberge. Toiletten fehlen. Wer in den vergangenen Wochen morgens dort spazieren gegangen ist, trug seine Maske teils gerne – als Geruchs-Schutz.

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