Es ist die gesellschaftliche Diskussion der vergangenen Woche: Wie stehen wir zur Polizei? Nun, das ist nicht leicht zu sagen, denn die Polizei gibt es gar nicht. Erkennt man schon daran, dass wir für Polizisten viele Synonyme haben. Sie lauten von freundlich nach nicht schmeichelhaft: Freund und Helfer, Schutzmann, Herr Wachtmeister, Schandi, Herr Chefinspektor/Hauptkommissar/Kriminalrat (alles mittlerweile natürlich auch mit „Frau“ statt „Herr“), Sheriff, Cop, Bulle, Bastard. Und es kommt darauf an, in welchem Bundesland wir aufgewachsen sind. Und wann.
Zum konkreten Fall Bayern und Kindheit in den 60er- und 70er-Jahren: Da hat sich das Bild von der Staatsgewalt eher freundlich gestaltet. Die erste Serie, die ich (wohl in Wiederholungen) mitbekam: „Funkstreife Isar 12“, in der die Hauptfigur Polizeimeister Alois Huber hieß. Wenn man da nicht ein Urvertrauen in die Polizei gefasst hat! Gefestigt wurde es durch den gutmütigen Opa-Typen Beppo Brem in „Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger“. Ihm assistierte Maxl Graf als Fröschl. Brem und Graf – das war damals für mich der Schauspieler-Olymp.
Weiter ging es mit „Polizeiinspektion 1“. Als das lief, waren alle Streifenpolizisten in Bayern so gemütliche Menschen wie Max Grieser und Walter Sedlmayr, der seine Film-Gemahlin „Mama“ nannte und die Uniform noch anbehielt, wenn er abends daheim auf der Eckbank seinen Schweinsbraten verzehrte. Als Polizist war man eine solche Wucht, dass man bieder wie Fritz Wepper sein konnte, aber eine Frau mit dem verwegenen Namen Ilona und dem Schätzchen-Aussehen von Uschi Glas abbekam. Jeder Einsatz wurde ohne Gewalt gelöst, maximale Actionszene war die Anwendung eines Polizeigriffs.
Die Welt wurde ungemütlicher, die Gewalt nahm zu, der „Tatort“ reflektierte diese Gesellschaft – doch erster bayerischer Kommissar war Gustl Bayrhammer (auch bekannt als Meister Eder), der mit Helmut Fischer, unserem Monaco Franze, und dem Dackel Oswald ermittelte – in Bayern waren eben auch die Polizeihunde unaggressiv. Bei Batic und Leitmayr wurde vielleicht ein wenig mehr gerauft – doch mittlerweile sind die beiden Herren ergraut und kommen im Sprint keinem mehr hinterher. Und „München Mord“ im Zweiten schließt sich der Tradition des gelassenen Umgangs mit dem (vermeintlich) Bösen an.
Wir verschließen die Augen vor neuen Realitäten nicht. Polizisten sind inzwischen oft dicker gepanzert als Eishockeyspieler, sie tragen keine Schirmmützen, sondern Helme und sprechen auch nicht mehr gepflegtes Bairisch, sondern einen bedrohlichen Dialekt aus den neuen Bundesländern. Wenn sie einen böse anschauen oder demonstrativ die Hand an den Knüppel legen, bleiben wir ganz ruhig. Denn aus unserer Fernsehjugend wissen wir: Auch Gendarmen kommen, wenn sie sich danebenbenehmen, vors Königlich Bayerische Amtsgericht!
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