Seit sechs Wochen laufen die Fahndungsbilder im Fernsehen, erscheinen auf Bahnsteig-Monitoren, werden in Zeitungen gedruckt und auf Internetseiten geteilt. Und dennoch: Der Radl-Rambo wurde immer noch nicht geschnappt. Nun aber will die Polizei mit Hightech den Täter finden. „Die Sonderkommission arbeitet mit Hochdruck an der Aufklärung des Falles“, sagt Polizeisprecher Michael Marienwald. 96 Hinweise aus der Bevölkerung seien bereits eingegangen. „Die eine heiße Spur war aber noch nicht dabei.“ Inzwischen läuft die Fahndung nach dem Mann, der an dem tödlichen Fahrradunfall vom 17. Mai beteiligt war, aber auch auf einer anderen Ebene: Die Handydaten werden ausgewertet.
Bevor die Polizei darauf zugreifen durfte , brauchte es eine richterliche Anordnung, dann mussten die einzelnen Anbieter die Daten liefern. Und das sind einige, wie die Polizei erklärt. Sie wertet nun aus, welche Mobiltelefone sich am Tag der Tat automatisch in die Funkzellen rund um die Hochstraße eingewählt hatten. „Das braucht seine Zeit.“ Ein Aufwand, der sich aber lohnen könnte, denn anhand der Daten filtern die Ermittler nun heraus, auf wen Fabio Dettori an jenem Sonntag getroffen ist.
Der 37-Jährige war mit Freunden unterwegs, als er mit dem Unbekannten in Streit geriet. Auf einen derben Wortwechsel folgte eine Kollision. Dettori stürzte dabei. Er erlitt schwerste Kopfverletzungen und einen Milzriss und starb auf der Straße, während sein Kontrahent davonradelte. Ein Schock für seine Frau Lidija. Die 35-Jährige trägt Zwillinge unter ihrem Herzen – zwei Buben, wie sie jetzt im fünften Monat weiß. Momentan erholt sie sich mit ihren Eltern in einem kurzen Urlaub. „Sie musste unbedingt mal raus“, sagt Fabios Schwager Ugur Cetinkaya. Die ganze Familie ist in Sorge um die werdende Mutter. Bei ihr sind viele Spenden eingegangen, die direkt nach dem tödlichen Unfall gesammelt wurden – auch viele Merkur-Leser hatten Herz gezeigt und die schwangere Witwe unterstützt. Die Menschen nehmen Anteil an dem Schicksal der Familie, die von der tiefen Trauer gezeichnet ist.
Für die Hinterbliebenen ist es enorm wichtig, dass der Mann, der offenbar maßgeblich an dem tödlichen Unfall beteiligt war, endlich gefasst wird. „Die Ungewissheit ist unerträglich“, sagt Cetinkaya. Auf Facebook hat er einen Hinweis veröffentlicht, der ihm zugetragen wurde. Demnach könnte der Gesuchte am Candidplatz gesehen worden sein. Auch diesem Tipp geht die Polizei nach. Wie Marienwald betont, kann jede Information – auch zu dem Fahrrad oder zur Kleidung des Mannes – hilfreich sein.
Zeugenaufruf
Wer Informationen zu dem Unfall vom 17. Mai um 18.30 Uhr an der Hochstraße hat, soll sich bei der Polizei unter 089 / 62 16 33 22 melden. Der Gesuchte ist 40 bis 50 Jahre alt, 170 bis 180 cm groß und stämmig mit starken Waden. Er hat kurze, grau melierte Haare, trug eine mittelblaue kurze Hose, ein blaues Shirt mit weißen Ärmeln und dunkelblauen oder schwarzen senkrechten Längseinsätzen. Sein Mountainbike war schwarz mit weißen Applikationen am unteren Ende der Gabel und an der Kettenstrebe vor dem Hinterrad.