Corona-Teststation vor dem Aus

von Redaktion

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) hat die Zusammenarbeit mit der Stadt bei Testungen an der Drive-in-Station auf der Theresienwiese aufgekündigt. OB Dieter Reiter (SPD) ist sauer: „Ich bin entsetzt, dass sich die KVB ohne Ankündigung zurückzieht – und das noch dazu zu einem Zeitpunkt, da der Ministerpräsident Tests für alle ermöglichen will.“

Genau dieses neue Testkonzept des Freistaat ist jedoch einer der Gründe für das Aus der Teststation. „Bayernweit ist seit 1. Juli 2020 ein Corona-Testkonzept des Freistaats gültig, dass die Testung von Patienten in den Praxen der Vertragsärzte vorsieht“, teilt die KVB mit.

Wie berichtet, bietet der Freistaat Tests für die Bevölkerung an. Eine Obergrenze pro Person gibt es nicht. Die Tests sollen von niedergelassenen Ärzten angeboten werden, die KVB übernimmt die Abrechnung, der Freistaat bezahlt.

Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs sieht das kritisch: „In unserem Kampf gegen die Pandemie ist der unkomplizierte, niederschwellige Zugang zu einem Testverfahren in einer Drive-in-Station, in der die möglicherweise infizierten Personen im Auto sitzen bleiben und daher die Ansteckungsgefahr anderer minimal ist, immens wichtig.“

Doch genau diese Wichtigkeit wird von der KVB angezweifelt. „Fakt ist, dass es in den letzten Wochen praktisch so wenige Anfragen von Münchnern über die Rufnummer 116 117 gab, dass sich der Betrieb einer solchen Sonderstruktur wirtschaftlich nicht mehr gelohnt hat.“ Für die KVB hat die Station auf der Theresienwiese ausgedient: „Fakt ist auch, dass diese Sonderstruktur für den in Bayern ab dem 16. März geltenden Katastrophenfall eingerichtet worden war. Nachdem der Katastrophenfall am 16. Juni offiziell für beendet erklärt worden ist, waren Sonderstrukturen wie die auf der Theresienwiese nicht mehr notwendig.“

Bei der Stadt sieht man das anders – hier besteht Einigkeit zwischen der Reiter und der oppositionellen CSU. Deren Fraktionschef Manuel Pretzl sagt: „Ich missbillige das Verhalten der KVB. Wie kann so eine in der Pandemie wichtige Zusammenarbeit von heute auf morgen aufgekündigt werden? Und das, obwohl ein gesetzlicher Sicherstellungsauftrag durch die KVB besteht.“ Die Aufgabe, die ambulante medizinische Versorgung sicherzustellen, dürfe nicht an der Stadt hängen bleiben. „Wenn dem so wäre, ist das System an sich infrage zu stellen“, so Pretzl.

Die KVB hingegen findet, dass die Stadt ihr zu Unrecht den Schwarzen Peter zuschieben will. „Weil die Stadt München die Kosten für die Sonderstruktur einer Drive-in-Testung auf der Theresienwiese nicht mehr finanzieren will, wird die Schuld dafür der KVB in die Schuhe geschoben.“

So oder so – wer bereits einen Termin für einen Corona-Test auf der Theresienwiese hat, soll diesen laut Reiter noch wahrnehmen können, bevor die Station schließt. Bis einschließlich heute, Freitag, solle getestet werden. Ab Montag sollen die vom Gesundheitsreferat initiierten Tests von einem Team des beauftragten Sanitätsdienstes im Rahmen einer mobilen Entnahme durchgeführt werden.

Die Stadt will jetzt zur Finanzierung der Station den Freistaat ins Boot holen. SASCHA KAROWSKI UND MARC KNIEPKAMP

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