Wenn Sie heute bei großer Hitze in den See oder in ein Schwimmbad springen können, dann haben Sie das einem Hochdruckgebiet zu verdanken, das auf den Namen „Balu“ hört – und da hat man doch gleich das bekannte Lied aus dem Dschungelbuch im Kopf, genau, und bitte gleich mitsingen: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit jagst du den Alltag und die Sorgen weg…“. Das ist auch aus gesundheitlicher Fürsorge am heutigen heißen Tag ein wichtiger Text, der jeden bremsen sollte, der sportlichste Höchstleistungen plant. Schließlich lautet der Text von Balu ja nicht „Versuch’s mal mit nem Triathlon, bei 30 Grad da geht das schon“.
Unbekannt ist, ob Balu – englisch „Baloo“ ein Spitzname ist, den der gemütliche Bär aus dem Dschungelbuch einmal von seinen Freunden verliehen bekommen hat oder ob er wirklich mit „Balu“ ins Dschungel-Standesamt eingetragen wurde. Wer weiß schon, ob er nicht ursprünglich „Bernhard Bär“ hieß, was dann zu „Balu“ wurde, oder „Heinz Müller“. Es soll ja auch Sebastians geben, die zum „Basti“ und „Schweini“ und dann zum Herrn Schweinsteiger werden. Über 120 Jahre nach Veröffentlichung des Dschungelbuches wäre „Balu“ eigentlich alt genug, um wieder „Heinz Müller“ genannt zu werden.
So ein Namenswechsel würde freilich zu weiterer Verwirrung führen. Schließlich ist es für Eltern und Großeltern ohnehin eine Herausforderung, im Blick zu behalten, ob der beste Freund von Sohn oder Tochter gerade „X“ oder „Y“ heißt, zumal es morgen auch „Z“ sein kann, weil „X“ doof ist. Was meine Freunde angeht, haben sich meine Eltern irgendwann Ende der Neunzigerjahre etwas gesagt wie: „So, jetzt ist der Junge 18 Jahre alt, wir merken uns jetzt noch maximal die Namen seiner Frau und Kinder, aber mehr nicht mehr.“ Sie wissen noch, wie irgendein Junge hieß, der 1988 einmal mit mir Lego gespielt hat – aber wie aktuelle Freunde heißen, das wissen sie nicht. Die Freunde seit der Jahrtausendwende merken sie sich mit fragwürdigen Zuschreibungen wie „der mit dem Kinn“ oder auch „deren Sohn in den Pool gefallen ist.“ Die Namen der Hoch- und Tiefdruckgebiete werden übrigens von der Freien Universität Berlin vergeben, man kann sich bewerben. Die nächsten Hochs heißen „Claws“ und „Detlef“. Auch wenn es bei „Detlef“ kein Lied wie bei „Balu“ gibt, dürfen Sie die Tage von mir aus trotzdem mit Ruhe und Gemütlichkeit verbringen. Gern geschehen.
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