Wie konnte er die Gutachter derart täuschen? Der Tatverdächtige (35), der wie berichtet eine Frau im Maisfeld in Feldmoching vergewaltigt haben soll, ist erst vor vier Wochen aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden. Der damals 24-Jährige wurde 2010 dazu verurteilt, nachdem er eine Frau missbraucht hatte. Auch damals war der gebürtige Münchner erst drei Wochen zuvor aus dem Knast entlassen worden. Jetzt sitzt Pietro P. wieder in U-Haft und schweigt.
Der heute 35-Jährige saß die vergangenen Jahre in der Forensischen Psychiatrie in Straubing. Die Staatsanwaltschaft bestätigt entsprechende Informationen des Bayerischen Rundfunks. Da ihm eine positive Sozialprognose ausgestellt worden war, kam der Mann auf freien Fuß – offenbar eine fatale Fehleinschätzung.
„Die Prognosegutachten erstellen in der Regel externe Sachverständige“, erklärt Florian Weinzierl, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es sind also nicht die Ärzte, die ihn behandelt haben. Eine Entlassung werde immer wieder überprüft, eine Eingliederung in die Gesellschaft erfolge stufenweise mit immer mehr Lockerungen. „Sollte sich in diesem Fall der Tatverdacht bestätigen, ist dies selbstverständlich auch Anlass zu überprüfen, ob die Prozesse verbessert werden können“, sagt Weinzierl. „Ein verbleibendes Restrisiko kann nur höchstmöglich minimiert, leider nie völlig ausgeschlossen werden.“ Denn niemand könne in einen Menschen hineinschauen. Und jemanden für immer wegzusperren, widerspreche dem Grundgesetz. Wie oft entlassene Straftäter rückfällig werden, lasse sich pauschal nicht sagen.
Zuletzt sorgte im vergangenen Jahr der Vergewaltiger mit der Wolfsmaske für Aufsehen. Christoph K. (43) war wie berichtet ebenfalls bereits wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft und in einer psychiatrischen Klinik untergebracht gewesen, bevor er in eine therapeutische Wohngruppe kam und wieder zuschlug.
Pietro P. wurde bei der Polizei in der sogenannten Heads-Datei geführt. In der Haft-Entlassenen-Auskunfts-Datei Sexualstraftäter, die es seit 2006 beim Präsidium München gibt, sind knapp über 100 Sexualstraftäter verzeichnet. Gefasst wurde der 35-Jährige nach einem Hinweis aus der Bevölkerung. Zeitgleich stießen die Ermittler in dieser Datei auf den Namen des Mannes.
Nach Informationen unserer Zeitung hatte P. bereits vor seiner Verurteilung im Jahr 2010 zahlreiche Vorstrafen wegen Körperverletzung, Raub und Vergewaltigung. Schon als 14-Jähriger soll er straffällig geworden sein. Im Juni 2009 war er wieder frei gekommen. Im Juli riss er – so hieß es damals vor Gericht –die Tür eines Autos auf, wollte die Frau am Steuer missbrauchen. Verzweifelt hupte das Opfer und wehrte sich mit aller Kraft. Der damals 24-Jährige wurde zu vier Jahren und sechs Monaten Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Elf Jahre später soll er nun die 47-Jährige im Maisfeld vergewaltigt haben. Die neue Chance, die er in Freiheit hatte, hat P. damit vertan. STEFANIE WEGELE