Der Ort für die 100-Tage-Bilanz der SPD/Volt-Stadtratsfraktion ist spektakulär gewählt. Im Werksviertel-Riesenrad geht’s in luftige Höhen mit wunderbarer Aussicht auf die Stadt. „Wir sehen uns als die Partei, die ganz München im Blick hat“, erklärt Fraktionsvize Christian Vorländer (SPD) passend zur Kulisse. Und als wichtige Stimme bei der sozial-ökologischen Erneuerung. Mitten in einer beispiellosen Gesundheits- und Wirtschaftskrise habe man bereits bewiesen, dass man München gut durch die Krise bringen und eine lebenswerte Stadt noch sozialer und ökologischer gestalten könne, sagt er im Hinblick auf das Regierungsgespann mit den Grünen im Rathaus. „Noch nie war so viel Leben auf Münchens Straßen und Plätzen möglich, noch nie hatten Fußgänger und Radler so viel Raum.“ Genau wie die Grünen schreiben sich auch SPD/Volt die Freischankflächen auf Parkplätzen auf ihr Konto. „Die Schanigärten waren unsere Initiative, sie müssen auch in den kommenden Jahren bleiben“, sagt Fraktionschefin Anne Hübner (SPD). Für Vorländer „eine echte Erfolgsgeschichte“, die weitergeschrieben werden solle. So soll es noch mehr Aufenthaltsflächen frei von Autoverkehr und ohne Konsumzwang geben. Gerade im Innenstadtbereich sollen Flanier- und Fußgängerzonen dazukommen. „Wir möchten die Weißenburger Straße in Haidhausen zwischen Weißenburger und Pariser Platz dauerhaft zur Fußgängerzone umgestalten und ausprobieren, wie es gelingen kann, ohne den notwendigen Anwohner- und Lieferverkehr lahmzulegen.“ Um die Verkehrswende konsequent voranzubringen, müsse man allerdings ganzheitlich denken, nicht nur auf den Radverkehr blicken, meint Vorländer. „Wir sind die Partei der Stärkung des ÖPNV.“
Ein anderes großes Thema: bezahlbaren Wohnraum schaffen und erhalten. In Zeiten der Pandemie sei die Brisanz nochmals deutlicher geworden. „Bei uns fliegt keiner aus der Wohnung, weil er wegen Corona seine Miete nicht mehr zahlen kann“, betont Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD). Ihre Fraktion will noch mehr und schneller bauen, gleichzeitig auch mehr Grünflächen schaffen. „Das geht nur, wenn in die Höhe gebaut wird“, erklärt Hübner. Das müsse man auch in den Randbezirken erkennen.
Kopfzerbrechen bereitet die Zukunft. München steht vor den größten arbeits-, sozial- und finanzpolitischen Herausforderungen der letzten Jahrzehnte, sind sich die Stadträte sicher. Dietl macht aber deutlich: „Wir streichen nichts im Sozialbereich.“ CARMEN ICK-DIETL