Gesperrte Straßen, verlegte Radlwege, engere Gehsteige – und plötzlich gibt’s wieder eine Umleitung. Der Grund: Überall wird gebaggert und gebuddelt – wie auch das Baureferat bestätigt: „Etliche Baumaßnahmen wurden auch in diesem Jahr gezielt in die Sommerferien gelegt.“ Heißt in Zahlen: An 80 Stellen, so ist es auf der Internetseite der Stadt nachzulesen, wird derzeit in München gewerkelt. Und es kommen jeden Tag neue Baustellen hinzu: So meldete die Stadt gestern, dass nun eine Stromleitung in der Heßstraße sowie der Schwere-Reiter-Straße erneuert wird. Die Folge: Ab Montag kommt es für acht Wochen „zu Absperrungen im Geh- und Fahrbahnbereich“.
Dieser Bau-Boom habe natürlich seinen Grund, versichert das Referat. Man müsse die Groß-Arbeiten einfach jetzt vornehmen, da sie „erhebliche Auswirkungen auf den Straßenverkehr“ haben – und deshalb in der Urlaubszeit besser aufgehoben sind. Auch Baustellen, „die im Umfeld von Schulen oder auf Schulwegen stattfinden“, wurden laut Baureferat eben gezielt in die aktuelle Ferienzeit gelegt. Daher die große Zahl. Übrigens: Nicht alle der 80 Baustellen sind städtische Projekte. Es handelt sich dabei auch um Baustellen der Stadtwerke, der Deutschen Bahn oder von privaten Investoren.
Doch egal, wer verantwortlich ist – für viele Münchener sind sie lästig. Wir haben uns auf drei Großbaustellen umgesehen und mit Anwohnern gesprochen.
Schwanthalerstraße
An der Schwanthalerstraße wird aktuell das Fernkältenetz ausgebaut. Hierfür entsteht eine etwa fünf Kilometer lange Leitung von Sendling durch die Ludwigsvorstadt in die Innenstadt. Bis zum Ende des Jahres ist die Schwanthalerstraße deshalb zwischen der Paul-Heyse- und der Sonnenstraße in Fahrtrichtung Ost einbahngeregelt. Für Radler ist die Situation nicht einfach. Andre Goerschel (39), Freiberufler aus München: „Ich finde die Baustelle schwierig. Wir Radler haben keine richtigen Wege und auch noch Gegenverkehr.“ Es sei nicht angenehm, hier zu fahren, weil es einfach zu eng ist. „Man hätte zum Beispiel die Gehwege verkleinern können. Überall in der Stadt sind doch jetzt Kurzzeit-Radwege entstanden, warum nicht auch hier?“, fragt sich Goerschel verwundert.
Hauptbahnhof
Rund um den Hauptbahnhof passiert ebenfalls viel: der Bau der zweiten Stammstrecke sowie eines dritten Tram-Gleises beeinträchtigen auch Fußgänger wie Johann Glas (69) in ihrem Alltag. Der Rentner aus München ärgert sich: „Ich finde die Baustelle unerträglich.“ Zudem wurmt ihn, dass es dort so langsam vorangeht. Da könne man schneller arbeiten, so die Meinung des 69-Jährigen. Die Verkehrsführung findet er auch schlecht, deshalb hat er entschieden: „Wenn ich Richtung Innenstadt gehe, versuche ich durch den Baustellen-Wirrwarr irgendwie durchzukommen. Aber eins steht fest: Ich freue mich riesig, wenn die hier endlich fertig sind.“
Sendlinger Tor
Am Sendlinger-Tor-Platz gibt es bereits seit 2017 Einschränkungen – weil dort derzeit die U-Bahn-Station modernisiert wird. Das hat jedoch auch große Auswirkungen auf die Oberfläche und den Autoverkehr. Das musste Familie Schumann aus Unterhaching am eigenen Leib erfahren. Sie war auf dem Weg zum Hauptbahnhof. Die Familie wollte mit dem Zug nach Erfurt fahren und für ein paar Tage die Oma besuchen. Mit dieser Verzögerung hatten sie nicht gerechnet. Thomas Schumann sagte: „Wir stehen schon sein zehn Minuten im Stau und müssen eigentlich schnell zu unserem Zug. Das ist jetzt natürlich sehr nervig. Mit all den Baustellen aktuell ist es wohl besser, öffentlich zu fahren.“