Heim+Handwerk kehrt zurück

von Redaktion

VON LISA-MARIE BIRNBECK

Die Absage der Internationalen Handwerksmesse (IHM) im März war ein herber Schlag. Schließlich war es eine der ersten großen Veranstaltungen, die der Corona-Pandemie zum Opfer fielen. Doch nun wendet sich das Blatt. Ab heute dürfen in Bayern wieder Messen stattfinden – mit der Heim+Handwerk und der Food&Life stehen vom 25. bis 29. November zwei Hochkaräter an. „Wir müssen das Messegeschehen in Bayern mit Vernunft und Augenmaß wieder anlaufen lassen“, sagt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW).

Es sei eine Konjunkturstütze und unverzichtbarer Bestandteil der Wirtschaft. Denn die zahlreichen Messen erwirschaften Millionenbeträge. Jährlich 80 Millionen Euro – so viel Umsatz generieren geschätzt alle Verbrauchermessen im Jahr. Vom Messebauer, über die Hotellerie bis hin zu den Ausstellern sind hier alle mit erfasst. Von den 80 Millionen entfallen auf das im November anstehende Messeduo ein Anteil von rund 38 Millionen Euro. Gerade in der Krise bitter benötigtes Geld.

Alles ist aber doch nicht beim Alten: Manche Aussteller sind noch zurückhaltend, die Unsicherheit ist vor allem nach dem Verbot von Großveranstaltungen in Teilen noch da. „Rund 70 Prozent der Ausstellerplätze sind bisher vergeben“, erklärt Handwerksmessen-Chef Dieter Dohr. Das seien weniger als im Vorjahr, aber die Zahlen der Vergangenheit könnten auch nicht das Ziel sein.

Die letzten Monate, sie waren auch für die Handwerker nicht leicht. „Wir sind von Natur aus Berufsoptimisten“, sagt Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Jetzt sollen die Messen wieder etwas Aufschwung bringen. Denn die Betriebe brauchen Plattformen, um ihre neuen Produkte „einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und mit den Kunden ins Gespräch zu kommen“.

So sieht es auch Gunter Ziegelmeier. Bereits in vierter Generation führt er die familieneigene Schreinerei in Nördlingen. „So früh wie in diesem Jahr hab ich mich noch nie für die Heim+Handwerk angemeldet.“ Rund zehn Mal war die Schreinerei Ziegelmeier hier schon vertreten. „Der direkte Kundenkontakt auf der Messe ist immens wichtig.“ So sieht das auch Pâtissiére Kerstin Spehr von der Pralinenschule in München-Neuhausen. „Durch persönliche Gespräche kann man neue Kunden gewinnen.“ Ihre Pralinenkurse musste Spehr lange pausieren, jetzt geht es wieder los. „Hoffentlich hilft uns die Food&Life, die Kurse wieder zum Laufen zu bringen.“

Auf vergrößerter Fläche werden Abstands- und Hygieneregeln direkt eingeplant. So wird bei der Food&Life die Gangbreite von 2,5 auf fünf Meter erhöht. Eine festgelegte Beschränkung der Besucherzahlen gibt es nicht. Dennoch hat der Veranstalter einen Personenrichtwert, an dem er sich orientiert. Im Vorjahr kamen rund 121 000 Besucher zu den beiden Messen – selbst mit diesen Zahlen könnten die neuen Regeln, wie der Mindestabstand von 1,5 Metern, eingehalten werden. Aber von dieser Größenordnung gehe man von Veranstalterseite gar nicht aus, heißt es. In jedem Fall wird jeder, der das Gelände betritt, erfasst: Besucher, Aussteller, sämtliche Mitarbeiter. Bereits beim Ticketkauf wird jeder registriert und erhält eine Zugangsberechtigung. Durch die Einlasskontrollen ist immer klar, wie viele Menschen sich auf dem Gelände aufhalten. Heißt auch: Wer ein Ticket hat, kommt in jedem Fall rein. Und Maske nicht vergessen!

Trotz der Neuerungen: Der Neustart der Handwerksmessen sei „ein kräftiges Ausrufezeichen der Zuversicht“, betont Franz Xaver Peteranderl. So sieht das auch Bayerns Wirtschaftsminister. Die Messen im November setzen ein notwendiges „Zeichen Richtung Normalität“, betont Aiwanger. „Wir müssen mit Corona leben lernen.“

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