Am 26. September 1980 explodierte um 22.20 Uhr direkt am Haupteingang des Oktoberfests eine Bombe. 13 Menschen, darunter der Attentäter, wurden damals in den Tod gerissen, 221 weitere zum Teil schwer verletzt. Es war der schwerste rechtsextremistische Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Der 21-jährige Gundolf Köhler, der die Bombe gebaut und platziert hatte, stand in Kontakt mit mehreren rechtsradikalen Gruppen. Ob er als Einzeltäter gehandelt hat, ist bis heute unklar geblieben. Trotz Ermittlungsarbeit konnten weder mögliche Mittäter überführt, noch die Herkunft der 1,39 Kilogramm TNT-Sprengstoff geklärt werden. Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert sich OB Dieter Reiter (62), wie er den Anschlag damals erlebte.
Herr Reiter, wie haben Sie das Attentat erlebt, an was erinnern Sie sich?
Ich war an diesem Tag sogar selbst bei meinen Eltern, die direkt oberhalb der Wiesn wohnten. Auf dem Heimweg habe ich dann eine Detonation gehört. Aber an einen Anschlag habe ich zu dem Zeitpunkt nicht gedacht. Davon habe ich erst später aus den Nachrichten erfahren und war, wie ganz München, entsetzt.
Was hat das Attentat für eine Bedeutung für München und die Wiesn?
Es ist sicher nicht das Erste, woran viele Menschen bei der Wiesn denken. Und trotzdem wird das Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980 immer damit verbunden sein. Es war und ist bis heute der schwerste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Ausgerechnet zum 40. Jahrestag fällt die Wiesn aus, ist das vielleicht ein Vorteil?
Wir hatten uns im Vorfeld überlegt, das Oktoberfest an diesem Tag zum Beispiel erst nach der Gedenkfeier beginnen zu lassen, um dem Gedenken eine noch größere Bedeutung zu geben. Dann mussten wir wegen Corona die Wiesn für dieses Jahr ausfallen lassen. Jetzt stellt uns die Corona-Pandemie vor ganz andere Herausforderungen: Wir müssen das Einhalten der Abstände sicherstellen und die Gästeliste dementsprechend begrenzen. Ein Vorteil ist es also aus vielen Gründen sicherlich nicht.
Wie ordnen Sie die Gedenkfeierlichkeiten ein?
Ich bin vor allem der DGB-Jugend dankbar, dass sie seit Jahren dieses Gedenken maßgeblich veranstaltet. Auch nach 40 Jahren sind die Wunden, die das Attentat bei den Opfern und Angehörigen hinterlassen hat, sehr schmerzhaft und nicht geheilt. Das habe ich in meinen Gesprächen mit Betroffenen immer wieder erfahren. Und jedes Jahr werden diese schmerzhaften Erinnerungen gerade an diesem Tag immer deutlich spürbar. Da gilt es, als Stadtgesellschaft zusammenzustehen und zu zeigen, dass wir die Menschen in ihrem Leid nicht alleinlassen und die Opfer nicht vergessen sind. Interview: Sascha Karowski