Mehr Frauen obdachlos

von Redaktion

Innere Mission: Corona-Krise verschärft die Situation von Wohnungslosen – Mietmarkt überlastet

Die ohnehin steigende Wohnungslosigkeit in bayerischen Großstädten könnte durch Corona noch verschärft werden. Mario Frombeck vom Evangelischen Hilfswerk (EHW) in München sagte, es gebe einige Indizien, dass die Zahl der Wohnungslosen als Folge der Pandemie weiter ansteigen könnte. So habe sich die Zahl der Wohngeldanträge in der Landeshauptstadt in einem Monat mehr als verdoppelt, zudem hätten viele Mieter Zahlungsschwierigkeiten, sagte Frombeck anlässlich des bundesweiten Tages der Obdachlosen an diesem Freitag. Frombeck, EHW-Bereichsleiter Frauen, erwartet, dass sich womöglich bald viele neue Wohnungslose an die Hilfsangebote wenden. In München leben aktuell rund 9000 Menschen ohne eigene Wohnung, vor fünf Jahren waren es erst gut 5000. Sie sind in städtischen Unterkünften und denen freier Träger wie dem EHW untergebracht, hieß es.

In München steigt laut Frombeck vor allem der Anteil wohnungsloser Frauen mit Kindern und ganzer Familien, die ihre Wohnung verlieren. Isabel Schmidhuber, die in München das Frauenobdach „Karla 51“ leitet, berichtet von immer mehr Anfragen von Frauen mit Kindern. 55 Plätze bietet die Anlaufstelle, insgesamt rund 230 Frauen pro Jahr wohnen hier für einige Wochen oder Monate. Waren früher pro Jahr etwa fünf Kinder dabei, so zählt Schmidhuber bis jetzt bereits 37 Kinder. Mehr als 2000 Anfragen von Frauen erhält sie pro Jahr.

Hauptgrund für die Zunahme ist der überlastete Mietmarkt. Wer nicht viel Geld verdient und sich trennt, stehe oft vor der Unmöglichkeit, eine bezahlbare Bleibe zu finden, sagt Schmidhuber. Hinzu kämen immer mehr ältere Frauen mit wenig Rente, denen wegen Eigenbedarf ihre Wohnung gekündigt wurde, sagt Schmidhuber. Auch der Flüchtlingszuzug von 2015 mache sich bemerkbar: Etwa 60 Prozent der Frauen hätten inzwischen eine ausländische Staatsangehörigkeit.

München hält 6000 städtische Plätze vor, die freien Träger weitere 3000. Innere-Missions-Vorstand Thorsten Nolting betonte die zwei Seiten Münchens. Einerseits wundere er sich, dass die Stadt – wie andere auch – die sich lange abzeichnende problematische Entwicklung des Mietmarkts nicht früher angepackt habe. Andererseits sehe er ein großes Engagement bei freien Trägern und Stadt, so gut wie möglich mit der Situation umzugehen: „Mit viel Ruhe, Pragmatismus, Respekt vor den Wohnungslosen und fachlich innovativ“, sagte Nolting. Die Schaffung von Wohnraum bleibe Thema Nummer eins, sagte Nolting. Zudem forderte er die Stadt auf, die Hilfsangebote weiter zu finanzieren und auszubauen, falls die Wohnungslosen-Zahlen steigen sollten. Zudem brauche man junge Ehrenamtliche etwa für die Bahnhofsmission oder den Kälteschutz, weil wegen Corona viele Ehrenamtliche aus Risikogruppen ihr Engagement niedergelegt hätten.  epd

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