Josef Bachmaier ist dafür bekannt, es anders als die anderen zu machen. Deswegen kann’s gut sein, dass der Wirt vom Fraunhofer am Samstag als einziger Mann ohne Lederhose dasteht. Karl-Heinz Knoll, früher Vorstand bei Spaten-Franziskaner und jetzt Festring-Chef, hat am Telefon schon gemeint: „Muasst koa Tracht oziagn.“ Das fand Bachmaier, den alle nur Beppi rufen, gut. Im Prunkhof beim Rathaus wird angezapft. Eine Kapelle spielt. Das Münchner Kindl kommt. Die Sonne soll scheinen. „Wahnsinns-Wiesn-Wetter“, sagt Bachmaier. Aber ob sich das wirklich wie d’Wiesn anfühlt? „Woaß i ned, vielleicht nach der zwoaten Mass“, scherzt er.
Freilich vermisse er das Oktoberfest, und damit ist er nicht der Einzige. Die großen Festwagen hat er schon als Kind bestaunt. Vor dem Patentamt, mit den Eltern. Den Zug am Sonntag hat er zwar Jahre nicht gesehen, aber das hat ja auch mit der Wiesn zu tun. Seit 2010 betreibt er das Herzkasperlzelt auf der Oiden Wiesn, das Musikantenzelt, 1900 Plätze drinnen, 1000 im Freien, damals als erstes mit veganem Essen. Sein Sohn, ein Koch, wollte das ausprobieren.
Bachmaier wäre zwar in diesem Jahr nicht als Wirt auf die Wiesn gekommen, weil die Landwirtschaftsmesse den Platz alle vier Jahre beansprucht. Aber natürlich hätte er trotzdem täglich vorbeigeschaut. Er hat ein paar Stammzelte. Das sind die, in denen man sich noch in Ruhe unterhalten kann und nicht von der Musik erdrückt wird. Dazu gibt’s ein G’schichterl aus der Augustiner-Box, „eine Legende“, sagt er. Große Lautsprecher montiert man in der Ehrenloge. Doch irgendjemand, so geht die Erzählung, schneidet immer am ersten Tag die Kabel durch, damit keiner beim Ratschen gestört wird.
Ob die G’schicht wahr ist, weiß er nicht. Aber Bachmaier mag sie. Ihm tut die Unterbrechung nicht weh. Finanziell gesehen. Er fände es auch nicht schlimm, wenn die übrigen Wirte einmal eine Pause einlegen könnten. Wie sie es auf der Oiden Wiesn machen (müssen). Im Kopf, sagt Bachmaier, bauen die Wirte direkt wieder auf, sobald das Zelt verstaut ist. Aber der Zusammenhang in diesem Jahr sei schrecklich. „Wie eine Disharmonie, wo nichts wirklich passt, wo was fehlt.“
Zum Ausgleich hat der Wirt aus dem Glockenbachviertel einen kleinen Garten im Hinterhof angelegt, Samen eingesetzt, Tomaten, Paprika. „Die sind echt was g’worden.“ Hat ihn selbst überrascht.
Ob Monika Gruber einen grünen Daumen hat, ist nicht überliefert. Aber die Kabarettistin war schon immer ein Wiesn-Fan. Für sie fällt der Anstich nicht aus, im Gegenteil – heuer zapft sie sogar selber an. Wie und wo? „Mein lieber Freund Alfons Schuhbeck hat mich vor ein paar Tagen gefragt, ob ich Zeit hätte“, erzählt Monika Gruber. „Klar, ich hab Zeit – und freu mich!“ Um 12 Uhr wird sie in Schuhbecks Restaurant Orlando am Platzl antreten. „Ich helf ihr schon“, sagt Starkoch Schuhbeck (61) gegenüber unserer Zeitung augenzwinkernd.
Da horcht die Kabarettistin natürlich gleich auf: „Schon, aber bei was?“, kontert die Gruberin und vermutet: „Beim Anstoßen wahrscheinlich!“ Und sie hofft mit einem Lachen: „Der soll mir bloß keinen 200-Liter-Hirschen hinstellen, sonst ist das ganze Platzl geflutet!“ Immerhin ist die Gruberin beim Anzapfen sogar in Übung: „Ich hab früher mal beim Toni Roiderer im Hackerzelt angezapft. Und sie schätzt: „Ich werd irgendwas zwischen drei und 18 Schlägen brauchen. Aber ich bin halt eh besser im Entkorken.“