Bayern beteiligt sich mit einer halben Million Euro an einem gemeinsamen Fonds von Bund, Freistaat und Stadt München für die Betroffenen des Oktoberfestattentats. Das beschloss der Ministerrat am Dienstag, wie die Staatskanzlei mitteilte. Die Betroffenen sollten damit vor dem Hintergrund fortdauernden Leids eine weitere Anerkennung in Form einer Solidarleistung durch den Staat erfahren. Bund, der Freistaat Bayern und die Landeshauptstadt München wollen den lange geforderten Fonds anlässlich des 40. Jahrestages einrichten.
Die Bundesanwaltschaft hatte im Juli nach mehr als fünfeinhalbjährigen Ermittlungen die Tat völlig neu eingeordnet und ausdrücklich festgestellt, dass der Bombenleger Gundolf Köhler aus rechtsextremistischer Motivation heraus handelte. Bei dem schwersten rechtsterroristischen Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik am 26. September 1980 starben 13 Menschen, darunter der Attentäter.
Vor der Mitteilung der Staatskanzlei hatten die Grünen im bayerischen Landtag die Forderung nach einer raschen Unterstützung für die Opfer unterstrichen. „Es darf nicht mehr lange dauern. Es muss schnell, unbürokratisch und angemessen – nicht als Almosen – reagiert werden“, verlangte am Dienstag Opferanwalt Werner Dietrich, der 2014 die neuen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft in Gang gebracht hatte. Die Opfer seien mittlerweile zwischen 60 und 90 Jahre alt. Von 221 Verletzten gehe es um rund 60 bis 100, die noch lebten und infrage kämen.
Die neue Einstufung der Tat als rechtsterroristisch und damit mit gesellschaftspolitischer Dimension eröffne auch neue Möglichkeiten hinsichtlich der Entschädigung, sagte Dietrich. Er hatte im Sommer einen detaillierten Vorschlag zum gemeinsamen Fonds von Bund, Land und Stadt vorgelegt, an dem sich nach seiner Vorstellung auch die Wiesnwirte beteiligen sollten.
Die Stadt München hatte bereits Mittel für die Opfer bereitgestellt. Der bayerische Grünen-Abgeordnete Cemal Bozoglu forderte, Überlebende und Hinterbliebene müssten auch Zugang zu Leistungen aus den Bundesfonds für rechte Terroropfer erhalten. Dafür müsse sich die Staatsregierung in Berlin einsetzen. Die Frage hatten im Juli schon die Grünen im Bundestag aufgeworfen. dpa