München hebt die Maskenpflicht für die Fußgängerzone und den Viktualienmarkt nach einer Woche Gültigkeit wieder auf. Dies beschloss der städtische Krisenstab am Mittwoch unter Leitung von OB Dieter Reiter (SPD). Auch die zulässige Gruppengröße wird ab Freitag von fünf auf zehn Personen angehoben – sei es in Gastronomie, Privaträumen oder im Freien.
Unverändert bleibt hingegen die Begrenzung der Teilnehmerzahl an privaten Feiern (Geburtstage, Hochzeiten) auf 25 Personen in geschlossenen Räumen und 50 im Freien. Privatfeiern stellten derzeit die Hauptinfektionsquelle dar, hieß es. Auch das nächtliche Alkoholverbot an stark frequentierten Orten wie dem Gärtnerplatz oder bestimmten Bereichen der Isar bleibt vorerst bestehen.
Der Münchner Inzidenzwert lag in den vergangenen Tagen stabil bei etwa 37. Noch vor einer Woche wurde der kritische Schwellenwert von 50 überschritten. Das heißt: In sieben Tagen wurden mehr als 50 neue Corona-Fälle pro 100 000 Einwohner registriert. OB Reiter übte unterdessen in der gestrigen Vollversammlung des Stadtrats scharfe Kritik am Robert-Koch-Institut (RKI). Zum wiederholten Male differierte am Mittwoch der vom RKI angegebene Inzidenzwert erheblich mit jenem des Landesamtes für Gesundheit. Letzteres meldete für München eine 7-Tage-Inzidenz von 37 Fällen pro 100 000 Einwohner, das RKI 31,6. Er habe es satt, unter dieser chaotischen Bewertungsgrundlage jede Woche im Krisenstab neu über Maßnahmen beschließen zu müssen. „Das RKI bekommt in sechs Monaten keine transparente Zahlendarstellung hin“, ärgerte sich Reiter. Kommunen müssten die Verfehlungen „einer hoch bezahlten Bundesbehörde ausbaden“.
Laut Rudolf Fuchs, kommissarischer Leiter des Münchner Gesundheitsreferats, meldet seine Behörde täglich um 16 Uhr die Zahl der neuen Corona-Fälle ans Landesamt. Von dort werden die Zahlen ans RKI übermittelt. Reiter sagte: „Ich kann und will das Chaos in der Meldekette nicht mehr akzeptieren.“ Sarkastisch fügte er an: „Offenbar werden die Zahlen per reitender Depesche übermittelt.“ Er habe dieses Ärgernis mehrmals bei Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und dem RKI angesprochen. Aber noch immer gebe es keine Lösung.
Der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende Hans Theiss, dessen Partei in einem Antrag Aufklärung über das Zahlen-Wirrwarr beantragt hatte, bezeichnete es als blamabel, „dass solche Fehler in der heutigen Zeit passieren“. Sein Parteikollege Alexander Reissl prangerte an, dass RKI und Landesamt bei der Berechnung des Inzidenzwertes für München eine Bevölkerungszahl von 1,47 Millionen zugrunde legen. Dies ist der Wert des statistischen Bundesamtes vom 31. Dezember 2018. Tatsächlich leben in München aber schon rund 100 000 Einwohner mehr, also 1,57 Millionen.