Das Masken-Minus

von Redaktion

VON LISA-MARIE BIRNBECK

Genau eine Woche lang hat die Maskenpflicht in der Altstadt auch unter freiem Himmel gegolten. Schuld war der Sieben-Tage-Inzidenzwert (Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner), der über 50 geklettert war. Egal ob in der Fußgängerzone, der Sendlinger Straße, am Marienplatz oder am Viktualienmarkt – ohne Mund-Nasen-Bedeckung war bis Donnerstag das Betreten verboten. Jetzt wurde die Pflicht vorerst wieder aufgehoben – doch für die Händler gleicht schon die eine Woche einer geschäftlichen Katastrophe.

Natürlich wollen alle gegen Corona kämpfen. Doch als die Maskenpflicht kam, blieben die Kunden aus. Das zeigt ein Blick auf die Passantenzahlen, die die Vereinigung der Innenstadthändler City-Partner veröffentlichte. Während der Maskenpflicht von 24. September bis 1. Oktober waren in der Neuhauser Straße 30 Prozent weniger Menschen unterwegs als in der Vorwoche und 75 Prozent weniger als im Vorjahr. Am Freitag wurden sogar weniger Passanten gezählt als am Sonntag – ein Novum. City-Partner-Chef Wolfgang Fischer schlägt Alarm: „Die verschärften Maßnahmen haben die Unternehmen und die Innenstadt leider gerade in einem Zeitraum einer ersten, leichten Erholung getroffen.“

Das bestätigt auch Nikolaus Neusiedl von „Leder Fischer“. Am 19. September, eigentlich dem ersten Wiesn-Samstag, sei noch alles in Ordnung gewesen. „Die Stimmung war gut“, erinnert er sich. Auch einige Touristen, die ihre geplante Reise trotz Wiesn-Absage angetreten hatten, seien gekommen. „Es war eine gute Zeit.“

Doch dann stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf 55 – und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kündigte die Maskenpflicht an. „Schon zwei Tage vor der Einführung wurden die Kunden weniger“, sagt Neusiedl und schüttelt den Kopf. Die Umsätze gingen erneut in den Keller. 80 bis 90 Prozent Minus machte „Leder Fischer“ im Vergleich zum Vorjahr. „Unverhältnismäßig“ findet Neusiedl die Maßnahme. Auch beim Schuh-Unternehmen „Tretter“, zu dem auch „Bartu“ und „Thomas-Schuhe“ gehören, spürte man die Auswirkungen der Maskenpflicht. „Hinzu kam der Streik am Dienstag – das war katastrophal“, sagt Gregor Tretter. „Allein da haben wir so viel Verlust gemacht, dass wir eigentlich eine Person entlassen müssten.“

Die Corona-Zahlen gingen wieder zurück, seit Freitag ist die Maskenpflicht für die Innenstadt vorerst aufgehoben. Für Samstag wurden in München 99 neue Corona-Fälle gemeldet, die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt 36,56. Doch Wolfgang Fischer von City-Partner befürchtet, dass die negativen Folgen länger nachwirken könnten. Schließlich war München als Corona-Hotspot in aller Munde. „Wir müssen daher damit rechnen, dass dieses Image unserer Stadt Auswirkung auf die Reise-Entscheidungen von Besuchern im Herbst und in der Vorweihnachtszeit haben wird – und auch auf Unternehmen, wenn es um Meetings oder Tagungen geht.“

Verstöße gegen die Corona-Regeln werden von der Stadt hart geahndet: Rund 9100 Bußgeldverfahren wurden in München bis Ende September durchgeführt, wie ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferats mitteilt. Sie brachten der Stadt siebenstellige Einnahmen: Rund 1,2 Millionen Euro soll München durch die Corona-Verstöße eingenommen haben. Das berichtet die Welt am Sonntag. Zum Vergleich: Frankfurt am Main hat rund 3100 Verfahren eingeleitet und 275 000 Euro verdient, Düsseldorf mit rund 1200 Bußgeldverfahren etwa 112 000 Euro.

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