Das Coronavirus ist wieder auf dem Vormarsch. Bundesweit und auch in München. Gestern lag der sogenannte Inzidenzwert innerhalb der Landeshauptstadt bei 36,45, also leicht über dem offiziellen Warn-Wert. 131 Münchner haben sich neu infiziert. Was bedeuten diese Zahlen, insbesondere für Kliniken und Altenheime? Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Gesundheitsministerin Melanie Huml, Ministerpräsident Markus Söder (beide CSU) und städtische Einrichtungen zeigen sich – noch – gelassen.
Die Lage in München sei glücklicherweise relativ entspannt, erklärte Dr. Axel Fischer, der Vorsitzende Geschäftsführer der München Klinik, gestern im Rahmen der Grundsteinlegung eines hochmodernen Erweiterungsbaus, der bis 2023 auf dem Gelände der München Klinik in Bogenhausen entstehen soll. Im Moment würden in seinen Häusern lediglich 20 Covid-Patienten behandelt. Zum Vergleich: „Zu Hochzeiten im April waren es rund zehnmal so viele.“ Für eine Entwarnung sei es derzeit aber dennoch noch zu früh. Schließlich wisse man nicht, wie sich das Virus weiterentwickelt – und wie viele es befällt.
„Wir müssen uns weiterhin konsequent wappnen“, mahnte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei der Feier in Bogenhausen. Schließlich habe das Virus bereits bewiesen, wie gefährlich es ist. Auf einen schwedischen Kurs umzuschwenken – und dabei täglich bis zu 70 000 Neuinfektionen zu riskieren – halte er für „ethisch nicht vertretbar“. Mit Corona, so Söder, „macht man keine Kompromisse“. Stattdessen setzt er auf Kontrolle und Risiko-Reduktion. „Volle Krankenhäuser würden einen kompletten Kontrollverlust bedeuten.“ Dazu dürfe es auf keinen Fall kommen.
Derselben Ansicht ist auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Er sagte: „Wir müssen die Lage von Tag zu Tag neu bewerten – was heute gilt, kann morgen schon wieder hinfällig sein.“ Ziel sei es, „die vielen Vernünftigen vor den wenigen Unvernünftigen zu schützen“. Dabei sei es unerlässlich, die medizinische Infrastruktur weiter auszubauen. Das betonte auch Gesundheitsministerin Melanie Huml. Der geplante Erweiterungsbau der München Klinik soll im Osten an den bestehenden Gebäudekomplex anschließen, um „künftig noch mehr Menschen ihre Schmerzen nehmen zu können“, so Huml. Nicht nur mit Blick auf das Coronavirus, das nach wie vor zahlreiche Fragen aufwirft. Was nötig sei, mahnte Söder, sei ein Kurs der Vorsicht, der Umsicht und Vernunft. „Ein Kurs, wie München ihn seit Anbeginn der Krise erfolgreich fährt.“
In den Kliniken der LMU (Großhadern und Innenstadt) wurden seit Februar 284 Covid-Patienten behandelt. Aktuell sind es sieben – davon vier auf der Intensivstation. Die Zahl der Corona-Betten, erklärt eine Sprecherin, könne „jederzeit kurzfristig angepasst werden“.
So auch im Klinikum rechts der Isar der TU München. Derzeit werden hier drei Covid-Patienten behandelt – zwei auf Intensiv. Auch die Seniorenheime der Stadt sind gewappnet. Münchenstift beispielsweise setzt auf Reihen-Testungen alle vier Wochen. Außerdem sei nach wie vor immer nur ein Besucher pro Bewohner zur selben Zeit zugelassen.