„Wilder Aktionismus gegen die Gastronomie“

von Redaktion

Das sagen die Wirte zu den neuen Corona-Regeln im Wirtshaus

Neue Woche, neue Regeln: Weil die Corona-Zahlen weiter steigen, hat die Stadt ihre Maßnahmen noch einmal verschärft. Die meisten Neuerungen betreffen die Gastronomie. Seit gestern darf ab 21 Uhr beispielsweise kein Alkohol mehr verkauft werden. Außerdem wurde die Sperrstunde verschärft. Sie gilt von nun an ebenfalls ab 21 Uhr. Aber: Treffen die neuen Regeln überhaupt die Richtigen? Immerhin machen die offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts deutlich, dass sich lediglich 0,5 Prozent der Bevölkerung im Wirtshaus anstecken.

Nockherberg-Chef Christian Schottenhamel spricht deswegen von einem „wilden Aktionismus gegen die Branche“, von einem „gastronomischen Lockdown“. Denn: Damit um 21 Uhr tatsächlich die Lichter ausgehen können, müsste bereits um halb neun abkassiert werden. „Ich verstehe nicht“, so der Gastwirt, „warum die Stadt ausgerechnet die sicheren Bereiche abriegelt.“ Jene Orte, an denen sich die Infektionsketten tatsächlich noch nachvollziehen ließen. „Wenn der Kellner um halb neun schon mit der Rechnung kommt“, ärgert sich der Wirt, „ist ja nicht mal mehr eine Nachspeise drin – wer geht denn da noch zum Essen?“

Eine Frage, die sich auch Silja Schrank-Steinberg vom Hofbräukeller stellt. Damit sich das Geschäft „überhaupt noch irgendwie rechnet“, will die Wirtin demnächst einen Ruhetag einführen. Am Sonntag sollen die Lichter bereits um 17 Uhr ausgehen. „So muss ich nämlich nur noch eine Schicht am Tag fahren“, erklärt Schrank-Steinberg. Außerdem könne so ein Teil der Belegschaft in Kurzarbeit gehen. Das Schlimmste sei, erzählt die Wirtin, dass sich die Leute mittlerweile „hinten und vorne nicht mehr auskennen.“ Mit der Folge, dass ständig Stornierungen reinkommen.

„Wir sind entsetzt, wie man mit unserer Branche umspringt“, schimpft auch Kathrin Wickenhäuser-Egger, Chefin der Münchner Stubn am Hauptbahnhof. Vor dem Hintergrund, dass die Gastronomie seit Wochen „peinlich genau darauf achtet“, die bestehenden Hygiene-Vorschriften einzuhalten, sei die verlängerte Sperrstunde „nicht nachvollziehbar“. Für viele Betriebe sei es außerdem „zunehmend nicht mehr wirtschaftlich, überhaupt noch zu öffnen“.  sb

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