Lok-Down an der Hackerbrücke

von Redaktion

Mitten im Berufsverkehr musste eine Lokführerin ihre Schicht beenden und den Zug abstellen

Dienst nach Vorschrift – diese Formulierung hat am Donnerstagabend im Feierabendverkehr eine ganz neue Bedeutung bekommen: Mitten im S-Bahnchaos, das durch eine Weichenstörung am Ostbahnhof verursacht wurde, kam es durch einen Lokführerwechsel an der Hackerbrücke zu zusätzlichen Problemen. Eine Fahrzeugführerin der S3 sah sich gegen 17 Uhr außerstande, weiterzufahren und wartete am Bahnsteig auf die Ablösung. Die jedoch saß in der S6 am Hauptbahnhof fest. Schließlich fasste sich der Lokführer dieser S-Bahn ein Herz, fuhr bis auf wenige Meter an die Hackerbrücke heran und ließ den Kollegen dann aussteigen. „Er ist dann die letzten Meter am Gleis entlang zu Fuß gelaufen“, schilderte ein S-Bahn-Sprecher die Situation.

Die Störung am Ostbahnhof kurz nach 16 Uhr hatte offenbar nicht nur den Fahrplan, sondern auch den Schichtplan der S-Bahn durcheinandergebracht. Die S3-Lokführerin, die aus Richtung Pasing stadteinwärts gefahren war, sollte eigentlich am Ostbahnhof regulär abgelöst werden. Doch wegen der Weichenpanne entschied die Zugleitstelle, die S3 an der Hackerbrücke enden zu lassen – der Zug sollte dann wieder Richtung Pasing zurückfahren.

Weil bei der Bahn strikte Sicherheitsvorschriften gelten und die Lokführer nicht einfach ihre Einsatzzeit überziehen dürfen, gab es nun ein Problem mit der Ablösung. In der Not orderte die Leitstelle einen Lokführer aus der Fahrerbereitschaft, die am Hauptbahnhof für Notfälle Gewehr bei Fuß steht. Dieser Kollege stieg dann jedoch – unglücklicherweise, wie sich herausstellte – in die S6 ein. Wahrscheinlich wäre er schneller gewesen, wenn er die wenigen hundert Meter gelaufen wäre.

Bei vielen Fahrgästen, ohnehin angefressen wegen der Verspätungen, machte sich wegen der Ablösepanne zusätzlich Unmut breit. Dazu trugen auch hemdsärmelige Durchsagen (sinngemäß: „Die Kollegin hat Feierabend“) bei.

Zu den wenig schmeichelhaften Bemerkungen über die Aktion mischte sich vor allem die Sorge über die mögliche Ansteckungsgefahr in dem gerammelt vollen Zug.  dw/cjm

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