„Ich hab allmählich die Schnauze voll“ – mit diesen Worten beginnt Michael Mühldorfer, Inhaber des „Cafés an der Uni“ (Ludwigstraße) ein Video, das er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat. Der Wirt ist wütend, traurig und frustriert zugleich – und damit ist er in seiner Zunft nicht allein. Trifft der erneute Lockdown die Richtigen? Eine Frage, die derzeit zunehmend hitzig diskutiert wird.
Maske, Mindestabstand, Sperrstunde – Michael Mühldorfer hat sich von Anfang an an die Vorschriften gehalten. „Und jetzt?“, fragt der Münchner, während er seine Kamera über den leeren Außenbereich seines Cafés schweifen lässt, „jetzt stehen die Leute da vorn am Brunnen. Und was bringt’s?“, schimpft Mühldorfer weiter. Die Antwort gibt er selber: „Nix! Außer, dass wir einfach mal 50 Arbeitslose haben – von heut auf morgen.“
Mit seiner Wutrede hat der Wirt offenbar einen Nerv getroffen. Schließlich ist sein Facebook-Video vielfach geteilt worden. Und in der Kommentarspalte hagelt es Zustimmung. „Schön gesagt“, schreibt ein Nutzer, „ich bin voll bei Dir!!!!!!“ Ein anderer gibt zu bedenken: „Am Montag stehen sie wieder in überfüllten Bussen und Bahnen -– es ist alles so absurd.“
Der zweite Lockdown – für Michael Mühldorfer ist er eine Katastrophe. „Die Politiker machen uns arbeitslos“, wettert der Münchner, „ganz plötzlich, wie sie wollen.“ Was ihm bleibt, sind Wut und Frustration.
Gefühle, die auch Luciano Marchesano vom „Il Padrino“ an der Kirchenstraße kennt. „Die verschärften Maßnahmen sind ein Schlag, schimpft der Münchner, „einer, den wir leider schon einmal aushalten mussten.“ Es sei schon komisch, meint Marchesano, „da liebt man seinen Job über alles und darf trotzdem nicht arbeiten.“
Zwar sind Lieferservices nach wie vor erlaubt, rechnen sich aber in vielen Fällen nicht. Im Hofbräukeller am Wiener Platz zum Beispiel bleibt die Küche komplett kalt. Und auch das Izakaya an der Landsberger Straße hat sich gegen das To-go-Angebot entschieden. Denn: „Wer jetzt noch auf den Liefer-Zug aufspringt“, teilte eine Sprecherin mit, „macht das wahrscheinlich nur noch, um sich selbst zu beschäftigen.“ sb