Entzückender Nachwuchs im Tierpark Hellabrunn. Dienstagnacht kam dort Elefantenkälbchen Otto zur Welt – nach 652 Tagen Schwangerschaft. Mutter Temi und Baby Otto sind wohlauf. Der ehemalige Besucherliebling Ludwig – er lebt seit mehreren Jahren im Heidelberger Zoo – hat jetzt endlich ein Brüderchen. Otto ist der fünfte Elefant in der Hellabrunner Elefantenherde.
Sechs Stunden hat die Geburt des kleinen Bullen gebraucht. Der asiatische Elefant ist ohne direkten Kontakt zu Ärzten und Pflegern zur Welt gekommen, das ist in Hellabrunn so üblich. Tierpfleger nennen das seit 2017 im Tierpark angewandte Konzept „geschützter Kontakt“. Auch die Erstuntersuchung des Jungtiers kann deshalb erst später erfolgen.
Vater Gajendra ist seit 2017 wieder Teil der Elefantenherde – er hatte den Münchner Tierpark während des Umbaus des Elefantenhauses in Richtung Leipzig und Hamburg verlassen. Temi, sie lebt seit 14 Jahren in der Landeshauptstadt, und Gajendra sind auch Eltern von „Wiggerl“, dem Exil-Münchner in Heidelberg. Er war 2011 nach 670 Tagen Schwangerschaft geboren worden. Der Bulle ist der letzte Elefant, der in München geboren war.
Mit seinem Namen tanzt Otto ein wenig aus der Reihe – er geht auf den Wunsch einer verstorbenen Frau zurück, die dem Tierpark ihr Erbe hinterlassen hatte. Im Tierpark Hellabrunn bekommen üblicherweise alle Jungtiere eines Jahrgangs einen Namen mit gleichlautendem Anfangsbuchstaben – heuer sind eigentlich Namen, die mit „U“ anfangen, an der Reihe.
Dem Elefantenbuben dürften solche Überlegungen herzlich egal sein. Otto geht es – soweit es die Experten aus der Ferne beurteilen können – gut. „Jetzt geben wir unserer Elefantenherde Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen“, sagt Tierpark-Chef Rasem Baban. Die beiden sogenannten Tanten, Panang und Mangala, werden den Zuwachs mit Fürsorge und Neugier begleiten, so die Tierparkverwaltung.
Das passende „Nest“ für den Nachwuchs haben Tierpark-Mitarbeiter bereits im vergangenen Jahr gebaut: „Wir müssen das Elefantenhaus auf Schlupflöcher für kleine Elefanten überprüfen und diese ausbessern“, sagte Tierpark-Direktor Rasem Baban im August 2019. Damals war schon bekannt, dass Elefantenmutter Temi schwanger ist.
Über die Geburt des kleinen Elefanten freuen sich die Mitarbeiter des Tierparks über alle Maßen. Zumal die Erinnerung an zwei dramatische Todesfälle in der Herde noch frisch ist: Im Juni 2010 war das Elefantenmädchen Jamuna Toni sechs Monate nach ihrer Geburt wegen einer Knochenerkrankung eingeschläfert worden. Anderthalb Jahre später dann der nächste Schock: Das herzkranke Elefantenmädchen Lola verstirbt im Januar 2012 an einer Lungenembolie – unmittelbar vor einer weltweit einzigartigen Herz-Operation, bei der Chirurgen in Großhadern das Leben des drei Monate alten Elefantenmädchens retten wollten.
Die Chancen auf weiteren Nachwuchs in Hellabrunn stehen gut: Auch die Elefantenkühe Panang und Mangala verbringen immer wieder Zeit mit Bullen Gajendra. Schwanger sind die beiden Damen bisher aber nicht.
Leider ist nicht möglich, dem kleinen Otto in den kommenden Wochen beim Spielen zuzusehen. Bis voraussichtlich 30. November ist der Tierpark wegen der Corona-Pandemie geschlossen. MAX WOCHINGER