Pfleger mit Todesspritze

von Redaktion

VON LAURA FELBINGER, DORITA PLANGE UND ANDREAS BEEZ

Schock im Uniklinikum rechts der Isar: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Pfleger wegen versuchten Mordes in drei Fällen. Seit Dienstag sitzt der 24-Jährige in Untersuchungshaft. Nach Informationen unserer Zeitung hatte er Patienten das Blutverdünnungsmittel Heparin in einer Dosis gespritzt, die auch tödlich hätte wirken können. Offenbar wollte er die Patienten fast umbringen, um sich am Ende selbst als Retter zu inszenieren, wenn er sie wiederbelebt. Gestern informierten Oberstaatsanwältin Anne Leiding und der Leiter der Mordkommission, Josef Wimmer, über den Ermittlungsstand zum Pfleger mit der Todesspritze.

Seit dem 1. Juli arbeitete der gebürtige Nordrhein-Westfale im Klinikum rechts der Isar. Der Pfleger, der über eine Leiharbeitsfirma tätig war, war für die Beobachtung von Patienten in der Wachstation im Neuro-Kopf-Zentrum zuständig. Hierbei handelt es sich um eine Übergangsstation zwischen der Intensiv- und der Normalstation. Die Patienten müssen in dieser Phase rund um die Uhr beobachtet werden – im Notfall muss der Pfleger ein Reanimationsteam rufen.

„Zum Glück hat das Klinik-Personal so schnell reagiert“, sagt Josef Wimmer. Während der Schicht des 24-Jährigen am Samstagvormittag hatte sich der Gesundheitszustand einer 54-jährigen Patientin aus dem Landkreis München und eines 91-jährigen Münchners plötzlich verschlechtert. Weil einem Assistenzarzt die Blutwerte verdächtig vorkamen, schaltete er den Oberarzt Professor Dr. Sandro Krieg ein. Die Mediziner konnten die beiden gerade noch retten.

Der Assistenzarzt erinnerte sich zudem daran, dass der betreffende Pfleger auch am 25. Oktober im Dienst gewesen war, als sich ein ähnlicher Vorfall bei einem Patienten (90) ereignet hatte. Dr. Krieg ließ Blutuntersuchungen der drei mutmaßlichen Opfer anordnen: Man fand Heparin. Dieses war nicht verordnet worden und zudem überdosiert. Die Klinikleitung reagierte umgehend: Unter einem Vorwand wurde der Pfleger sofort aus dem Dienstplan entfernt und parallel die Polizei eingeschaltet.

Diese nahm den Pfleger am Montag fest. Er bestritt die Vorwürfe. Am Dienstag wurde Haftbefehl erlassen. Laut Anne Leiding geht es um versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen. Zum einen wird dem jungen Mann Heimtücke vorgeworfen, denn die Geschädigten hätten mit so einem perfiden Angriff niemals rechnen können. Zum anderen bestehen der Oberstaatsanwältin zufolge niedrige Beweggründe. Leiding: „Er hat offenbar bewusst in Kauf genommen, dass Menschen sterben, um sich selbst als Retter darzustellen.“ Das gehe aus Chatverläufen hervor. Anscheinend wollte der 24-Jährige bei der anschließenden Reanimation mitwirken – und als Lebensretter glänzen.

Die Ermittlungsgruppe Wachraum mit zehn Beamten untersucht, ob es weitere Opfer gibt. In einer Stellungnahme schreibt das Rechts der Isar: „Das Klinikum unterstützt alle Maßnahmen zur schnellen und transparenten Aufklärung.“ Der 90-jährige Patient, der Ende Oktober von dem Pfleger ein Mittel in gefährlich hoher Dosis verabreicht bekommen hatte, ist genesen, er befindet sich in Reha. Die Frau, deren Blutwerte die Ärzte auf die Spur des Täters führten, ist in einem stabilen Zustand. Der dritte Betroffene, der 91-jährige Münchner, liegt nach wie vor auf der Intensivstation. Sein Zustand ist kritisch.

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