Das Coronavirus drängt aggressiv in Münchens Alten- und Pflegeheime. „Es ist noch mal schwieriger geworden, die Bewohner und Mitarbeiter zu schützen“, sagt der Chef der Münchenstift, Sigi Benker. „Wir merken die Corona-Müdigkeit, sowohl bei den Bewohnern, aber vor allem bei den vielen Angehörigen, die die Schutzmaßnahmen oftmals nur noch widerwillig akzeptieren.“ Die Folgen sind gravierend: Wie im Sozialausschuss am Donnerstag bekannt wurde, sind 26 von 59 Heimen aktuell von Corona betroffen. In einigen gibt es bis zu 50 Infizierte. 125 Tote wurden gezählt, die meisten davon im vergangenen Monat. „Im Gegensatz zum Frühjahr tun wir alles, um die Einrichtungen offen zu halten“, sagt Benker. „Deswegen testen wir viel und haben strenge Besuchsregeln. Derzeit gelingt uns das Offenhalten der Häuser in circa 60 bis 70 Prozent der Wohnbereiche. Die übrigen stehen unter Quarantäne.“ Derzeit seien etwa 80 Mitarbeiter positiv getestet, ebenso viele Bewohner. „Die Münchenstift kann die Personalausfälle noch kompensieren, indem Mitarbeiter vorübergehend die Häuser wechseln. Dies ist aber bereits eine tägliche Herausforderung.“
Die Münchenstift hat circa 3000 Bewohner, davon 2100 in vollstationärer Pflege, sowie circa 2000 Mitarbeiter, davon 1300 in der direkten Pflege.
Bei der Arbeiterwohlfahrt sind vier von elf Pflegeheimen von Ausbrüchen betroffen. „Insgesamt waren bisher circa 180 Bewohner positiv getestet unter unseren 1100 Pflegeplätzen“, sagt Geschäftsführer Hans Kopp. Etwa 30 Mitarbeiter befänden sich in Quarantäne. Das führe dazu, dass die Personalsituation derzeit in zwei Heimen äußerst angespannt sei. „Die Schnelltests mindestens einmal pro Woche in den Einrichtungen erfordern derzeit hohe personelle Ressourcen, die die personellen Engpässe verstärken. Der vom Staatsministerium geplante Pflegepersonalpool seit Ausrufung des Katastrophenfalls ist derzeit für uns noch nicht erkennbar.“
Dass die Heime weiterhin geöffnet bleiben, ist Fluch und Segen zugleich, sagt SPD-Fraktionschefin Anne Hübner. „Ich halte es trotz der verschärften Infektionslage für richtig, dass es nicht wieder zu einem absoluten Besuchsverbot kommt. Viele Heimbewohner haben im Frühjahr sehr darunter gelitten, ihre Angehörigen nicht sehen zu können. Wenn jetzt die Pflegekräfte und Besucher regelmäßig getestet werden, sollte das die Situation verbessern.“ CSU-Sozialpolitikerin Alexandra Gaßmann sieht das ähnlich: „Die Zahlen sind alarmierend. Wir müssen unsere älteren Mitbürger besser schützen, aber ohne sie noch weiter zu isolieren. Verstärkte Tests sind hier der richtige Weg.“
Es sei bekannt, wie sehr die Heimbewohner und ihre Angehörigen im ersten Lockdown gelitten hätten, sagt Grünen-Stadträtin Sofie Langmeier. „Niemand kann wollen, dass sich diese Isolierung wiederholt. Wir stehen vor der Herausforderung, die Gesamtheit der Bewohnerschaft bestmöglich zu schützen und zugleich das Recht der einzelnen Bewohner auf persönliche Nähe und Begegnung zu wahren.“ Dazu zähle sicherlich auch, Besucher Schnelltests zu unterziehen.