Kliniken sagen planbare Operationen ab

von Redaktion

Im Kampf gegen Corona verschärft sich die Lage in Münchens Krankenhäusern. Sie müssen immer mehr Covid-19-Patienten versorgen: Allein am Freitag meldete die Stadt 396 Neuinfektionen für den Vortag, die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 199,9 Infektionen pro 100 000 Einwohnern. Dieser stetige Anstieg der vergangenen Tage löst eine organisatorische Kettenreaktion in den Kliniken aus: Auf den Intensivstationen fehlt es zwar nicht an Maschinen, aber an Menschen. Zur Verstärkung müssen Pflegekräfte aus dem OP-Bereich und von den Normalstationen abgezogen werden.

Deshalb sagen die Kliniken verschiebbare Operationen jetzt ab – entsprechende Meldungen kamen gestern aus den beiden großen Unikliniken Rechts der Isar und Großhadern. Die städtischen Kliniken, die derzeit 170 Corona-Patienten sbehandeln, reagieren mit einem Hilferuf. Sie suchen dringend freiwillige Helfer, die im Pflegebereich mitarbeiten – auch auf den Covid-19-Stationen. Konkret geht es um ausgebildete Pflegekräfte und Ärzte. Für Auswärtige wird sogar die Hotelübernachtung bezahlt.

„Während in der ersten Welle durch den Lockdown mehr qualifizierte freiwillige Helfer zur Verfügung standen, zerreißen sich unsere Mitarbeiter aktuell zwischen Covid-Intensivstation, der 100-jährigen Covid-Patientin mit Demenz und dem Herzinfarkt im Notfallzentrum“, sagt der Chef der München Klinik, Dr. Axel Fischer unserer Zeitung. Er appellierte an alle Münchner, jetzt Solidarität zu zeigen: „Auch wenn es vielleicht nur ein paar Stunden die Woche sind.“

Den Pflegekräften auf den Intensivstationen geht zunehmend die Kraft aus, sie haben seit Beginn der Pandemie kaum eine Atempause. Durch Corona-Infektionen wird das ohnehin knappe Personal zusätzlich geschwächt. Deshalb setzte das Klinikum rechts der Isar gestern einen Krisenplan um. „Ab sofort werden alle Operationen und Behandlungen verschoben, die auch in sechs Wochen noch durchführbar sind.“ Gemeint sind Eingriffe, die ohne ernste Folgen oder größere Risiken für den Patienten abgesagt werden können. Auch in Großhadern wird – wie in den München Kliniken – das normale OP-Programm zurückgefahren. Notfall-Operationen und ähnliche Eingriffe – etwa bei Krebspatienten – laufen aber in allen großen Häusern weiter, wie auch das LMU Klinikum bestätigte: „Die Versorgung dringlichster Eingriffe kann mit Einschränkungen durch Einsatz aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aufrechterhalten werden.“

Im Klinikum rechts der Isar wurden am Freitag 68 Corona-Patienten versorgt, 17 von ihnen auf der Intensivstation. Im LMU Klinikum lagen 82, 18 davon auf der Intensivstation. Deren Behandlung und Pflege ist extrem aufwendig. Allein um einen beatmeten Patienten von der Rücken- in die Bauchlage zu drehen, sind mitunter zehn Mitarbeiter nötig. Die Arbeitsbedingungen sind kräftezehrend, unter anderem, weil die Ärzte und Pflegekräfte unbequeme Schutzkleidung tragen und höchste Konzentration aufbringen müssen. A. BEEZ

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