Das Home-Office rettete mein Leben

von Redaktion

Manchmal brauchen sogar die Gelben Engel einen Schutzengel. So etwa in diesem Jahr am späten Nachmittag des 23. Juni: Da kracht eine 140 Tonnen schwere und 20 Meter hohe Pfahlbohrmaschine von der benachbarten Großbaustelle in das Südbayern-Haus des ADAC an der Ridlerstraße (Schwanthalerhöhe). Der schwere Stahlarm der Maschine durchschlägt die Decke und verwüstet ein Büro komplett. Welch ein ein Glück: Bettina Dinzinger, die normalerweise hier sitzt, ist an diesem Tag daheim im Home-Office. Corona und die flexiblen Arbeitszeitmodelle haben womöglich Schlimmstes verhindert.

„Als ich die Nachricht damals gehört habe, bin ich zunächst schon einmal richtig erschrocken“, sagt Dinzinger, die beim ADAC im Beschwerdemanagement arbeitet. „Doch ich bin ein positiver Mensch und dachte mir: Ich war zur falschen Zeit eben nicht am falschen Ort, sondern am richtigen!“ Seit dem Einschlag kann sie ihr Büro nicht nutzen. Momentan läuft die Sanierung, bis März soll der Trakt wieder zur Verfügung stehen. „Ich kann mich aber um die Anliegen unserer Mitglieder genauso gut von daheim aus kümmern“, versichert Dinzinger.

„Wir haben gleich nach dem ersten Lockdown schnell reagiert und massiv in unsere Technik investiert, um mobiles Arbeiten von daheim aus zu ermöglichen“, betont Dinzingers Chef Christian Berti. „Dies ermöglicht uns jetzt auch in der aktuellen Phase, dass wir telefonisch für unsere Mitglieder und Kunden uneingeschränkt erreichbar bleiben, selbst wenn wir unsere Geschäftsstellen und Reisebüros wieder schließen mussten.“

Für Berti ist der Kran-Unfall bis heute unfassbar. „Die Wahrscheinlichkeit, dass so was passiert, ist ja wirklich nicht besonders groß. Aber wenn, dann sind wir über diesen Ausgang schon richtig froh: nur Beton- und Blechschaden!“ Dieser liegt zwar im sechsstelligen Bereich, wird jedoch über die Versicherung reguliert. Auch der Führer der umgestürzten Baumaschine kam mit leichten Verletzungen davon, hat das Unglück gut überstanden. Die Arbeiten am 14-stöckigen Bürokomplex Heimeran laufen weiter und wurden durch den Unfall nicht nennenswert zurückgeworfen.

Berti selbst, der auf dem Weg zu seinem Büro durch Dinzingers Zimmer muss, hatte ebenfalls riesiges Glück. „Ich habe an diesem Tag nicht von daheim gearbeitet“, erinnert er sich. Dennoch hatte der Betriebsratsvorsitzende des ADAC Südbayern Glück. „Zirka zehn Minuten vor dem Einschlag bin ich durch diesen Raum gegangen und habe mich auf den Heimweg gemacht.“ Kurz darauf gab es den großen Rumms.

Mittlerweile sind Trockenbauer am Werk, ein Ende auf der Großbaustelle ist in Sicht. Bettina Dinzinger freut sich, wenn sie in ihr altes und dann neues Büro zurückkehren kann. „Jetzt heißt es ja wegen Corona eh wieder: von daheim arbeiten und mithelfen, die Kontakte zu reduzieren! Aber ich hoffe, dass mit der Fertigstellung im Frühjahr auch wieder echte Kontakte von Mensch zu Mensch möglich sind“, sagt sie. Den Kran-Unfall wird sie nicht vergessen und nimmt’s mit Humor. „Dass ausgerechnet bei uns im Beschwerde-Management so ein Einschlag kommt, hätte ich mir wirklich nicht träumen lassen. Aber lieber so als von erbosten Mitgliedern“, sagt Dinzinger mit einem Lachen.

Schwer vorstellbar, dass man bei einer Beschwerde überhaupt lange grantig sein kann bei so einer sympathischen Mitarbeiterin.

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