Engel in eisigen Zeiten

von Redaktion

VON LISA BIRNBECK

Die Mützen tief in die Gesichter gezogen, die Hände in Handschuhe gehüllt, über den dicken Winterjacken die bekannte blaue Schürze: Den eisigen Temperaturen und dem Schnee zum Trotz geben die freiwilligen Helfer der Münchner Tafel auch an diesem Tag wieder alles. „Wir stehen hier das ganze Jahr, egal bei welchem Wetter“, sagt Fußball-Legende Paul Breitner (69). Seit 14 Jahren engagieren er und seine Frau Hilde (70) sich für die Münchner Tafel, Hilde Breitner leitet die Ausgabestelle in Haidhausen. Allein hier werden jede Woche rund 160 Tafel-Gäste versorgt, zwischen 16 und 20 Ehrenamtliche sind im Einsatz.

Alle, die hier mit anpacken, wollen nur eins: Die Not der Menschen ein bisserl lindern. Denn die wird immer größer. „Und unsere Wartelisten werden immer länger“, stellt Breitner fest. Die Armut wächst im reichen München. Seit Corona versorgt die Tafel rund zehn Prozent mehr Gäste – Tendenz steigend. Doch die Münchner Tafel, die es bereits seit 1994 gibt (siehe Kasten), kann auch nur ein bestimmtes Kontingent an Gästen versorgen. Die Folge: Für Menschen, die einen neuen Bedürftigkeitsausweis beantragen, gibt es derzeit sogar eine Warteliste.

Eifrig packen die Ehrenamtlichen auch an diesem Montag vor der Johanneskirche in Haidhausen eine Tüte nach der anderen und verteilen sie an die Wartenden. Immer mit einem Lächeln und ein paar netten Worten. „Wenn wir hier arbeiten, dann denken wir nicht an die Kälte“, betont Paul Breitner. Das Wetter sei nicht wichtig, es gehe nur um die Menschen.

Einer von ihnen ist der Rentner Klaus Rathgeb. Seit drei Jahren besucht der 87-Jährige jede Woche die Ausgabestelle in Haidhausen, um sich Lebensmittel abzuholen. „Ich komme bei jedem Wetter“, sagt er. Vor Kurzem musste er jedoch aussetzen, ihn hatte das Coronavirus erwischt. Gott sei Dank nahm die Krankheit bei ihm einen leichten Verlauf. Kaum war er wieder auf den Beinen, machte Rathgeb sich mit seinem Rollator auf den Weg zur Tafel. „Ich finde es so wichtig und toll, dass die Helfer immer hier sind, bei Wind und Wetter“, sagt der Rentner. „Und man sieht, dass sie es gerne tun.“

„Das Wichtigste ist, dass wir unseren Gästen das Leben zumindest etwas verbessern können“, sagt Paul Breitner. Daher werden er, seine Frau Hilde und das Team auch nächste Woche wieder hier stehen – bei jedem Wetter.

Artikel 9 von 11