Ein ziemlich großer Glaskomplex mit einem 60 Meter hohen Turm, das wird der neue Starnberger Flügelbahnhof. Anstelle des heruntergekommenen Gebäudes errichtet die Bahn hier ein ausladendes Büro- und Geschäftshaus mit fünf Etagen. Der zuständige Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt sorgt sich dabei um den öffentlichen Raum.
Im Augenblick laufen die Bauplanungsverfahren. „Wir sind sehr zufrieden, dass die Gastronomie in der Krone des Turms für die Öffentlichkeit zugänglich ist“, erklärte Martin Ruckert, CSU, in der jüngsten BA-Sitzung. Von dort wird man einen beeindruckenden Rundblick auf München haben. Aber es bleibt die Sorge, dass die Bahn hier ein reines Büro- und Einkaufszentrum bauen und so ihre Immobilie vergolden will.
Ein großer Kritikpunkt des BA ist, dass das neue Gebäude dem Bahnbetrieb und der allgemeinen Nutzung entzogen wird. Es wird dazu umgewidmet. Stattdessen fordert das Gremium in seiner Stellungnahme einstimmig, mindestens 50 Prozent der Erdgeschossfläche für öffentliche Zwecke auszuweisen. Man denkt hier an Ausstellungsflächen, Raum für die Bahnhofsmission, eine Sozialstation oder ein Fundbüro.
Dass das Kinder- und Jugendmuseum in der neuen Planung nicht mehr vorgesehen ist, bedauert der Bezirksausschuss – auch wenn man annimmt, dass die künftigen Mieten für das Museum ohnehin unbezahlbar seien. Das Gremium fordert aber zumindest gute Durchgänge für Reisende im Erdgeschoss und ausreichend große Geh- und Warteflächen für die Gleise 27 bis 36.
Wichtig sei auch, dass eine zukünftige direkte Verbindung vom Bahnhof zum zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) nicht erschwert wird. Zuversichtlich ist man in Sachen Fahrrad-Garage in Gleisnähe. Hier bietet sich Platz im ersten Untergeschoss mit einer flachen Rampe zur Arnulfstraße. Ginge es nach dem BA, könnte die gesamte Abstellfläche dort für Fahrräder, E-Bikes und E-Scooter genutzt werden. Das zweite Tiefgeschoss wäre dann die einzige Pkw-Tiefgarage.
Wie hoch die Aufenthaltsqualität in und um das Gebäude für die Bahnreisenden wird, ist noch ungewiss. Abhängig von den Genehmigungsverfahren ist frühestens 2023 Baubeginn. Die Bahn geht von rund vier Jahren Bauzeit aus. BETTINA ULRICHS