Es war ein Salvator-Anstich ohne Tuchfühlung, die Politiker flimmerten nur über die Mattscheibe – aber am Ende hat das Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg auch ohne Gäste im Saal passabel funktioniert. Paulaner-Chef Andreas Steinfatt zieht ein positives Resümee.
Herr Steinfatt, wie fanden Sie den Distanzunterricht, den Maxi Schafroth den Politikern auf dem Nockherberg verpasst hat?
Mir hat’s sehr gut gefallen. Wir waren natürlich gespannt, nervös, aufgeregt, ob das technisch alles klappt. Aber das hat es.
Und dennoch dürfte das Modell bei Ihnen keine Zukunft haben, oder?
Oh nein. Sie wissen, dass der Nockherberg was Besonderes ist und von der Präsenz lebt. Trotzdem war ich beim Vorspann kurz irritiert, als der volle Saal während der letzten Veranstaltungen gezeigt wurde – man ist so viele Leute dicht an dicht schon gar nicht mehr gewöhnt. Hoffentlich können wir im nächsten Jahr einen Nockherberg wie früher erleben.
War die Stimmung, die eigentlich in so einem Gastsaal herrscht, mit den Video-Zuschaltungen überhaupt simulierbar?
Das war natürlich nicht so ganz möglich. Aber Hut ab vor Maxi Schafroth, er hat es hervorragend gemacht. Sicher hat ihm geholfen, dass er die erste Reihe der Politiker und ihre Reaktionen live auf den Bildschirmen vor sich hatte – und uns hat es gefreut, dass auch Olaf Scholz und Armin Laschet mit dabei waren, was dem Ganzen noch mehr Aktualität verliehen hat. Maxis Ideen waren großartig – auch wie er sie mit dem Chor inszeniert hat. Man merkt seine Fernseherfahrung. Er weiß, wie er „auf der anderen Seite“ ankommt.
Wie war es für Sie, Markus Söder das Bier ohne Publikum zu kredenzen?
Eine neue Erfahrung. Es lief alles streng nach Hygienevorschrift ab, wir waren beide frisch getestet. Wie übrigens alle Mitarbeiter an der Veranstaltung im Vorfeld jeden Tag getestet wurden – allein der Chor war fünf Tage in Quarantäne, damit er überhaupt so eng beisammenstehen durfte. An ein Singspiel war unter diesen Voraussetzungen nicht zu denken. Also: Es war diesmal okay – aber einmal reicht dann auch.
Eigentlich würde jetzt das Starkbierfest auf dem Nockherberg starten. Wäre das zumindest im Außenbereich möglich, jetzt, wo die neuen Regelungen gelten?
Das ist aktuell ausgeschlossen. Selbst für eine „normale“ Außengastronomie ist das Ganze zu unsicher – was, wenn der Wert drei Tage über der Grenze liegt? Dann muss man wieder zusperren, gegebenenfalls Lebensmittel wegschmeißen und die Leute wieder in Kurzarbeit schicken. Ich bewerte das sehr kritisch, wir brauchen Planbarkeit. Auf jeden Fall war es uns wichtig, in dieser Zeit ein Zeichen zu setzen, dass so etwas wie der Starkbieranstich als Live-Veranstaltung möglich ist und wir uns das trauen. Dafür haben wir auch viele positive Rückmeldungen bekommen, und das macht uns stolz.
Sie haben den Spitzenpolitikern sogar Brotzeit für die Live-Schalte geschickt.
Haben wir – und auch ein paar Flaschen Salvator. Gut, Kata Schulze hat einen Spezi in den Krug geschüttet – aber dafür hat sie vor der Übertragung schon das halbe Brotzeitbrettl zamm’gessen. Sie merken: Ein paar lustige Randerscheinungen gab’s auch diesmal.
Interview: Johannes Löhr