Lockerung trotz schlechter Tendenz

von Redaktion

VON SASCHA KAROWSKI

München lockert – und das, obwohl die Zahl der Corona- Infektionen weiter steigt. Das Robert-Koch-Institut wies am Sonntag für die Landeshauptstadt eine Sieben-Tage-Inzidenz von 52,1 aus. Und damit ist der Wert nicht nur höher als am Samstag (48,3), sondern liegt auch über der Grenze von 50. Dennoch greifen heute erste Lockerungen – nur welche?

• Was jetzt gilt: Das Staatsministerium für Gesundheit hat am Sonntag die zwölfte Verordnung für den Infektionsschutz erlassen. Demnach wird mit Datum der Bekanntgabe (7. März) die „maßgebliche Inzidenzeinstufung“ festgelegt. Das heißt: Maßgeblich ist der Inzidenzwert von Sonntag – also 52,1. Es greift somit ein Szenario für die Werteskala 50 bis 100 mit leichten Lockerungen.

• Was bedeutet das? Zunächst einmal hat das Überschreiten der Marke 50 keine Auswirkungen auf die geplanten Lockerungen in München. Der städtische Krisenstab hatte sich in Voraussicht steigender Infektionszahlen bereits auf das Szenario vorbereitet, das greift, wenn die Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt. Bedeutet: Ab heute öffnen Museen, Tierpark und auch Geschäfte – allerdings ist der Besuch nur mit Terminbuchung möglich. Das betrifft auch den Einzelhandel. Öffnen werden etwa Sport Schuster, Bettenrid, Oberpollinger, Hirmer, Kaufhof und Konen.

Der Zugang zu den Geschäften ist geregelt, es darf nur ein Kunde pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche anwesend sein. Unabhängig von der Inzidenz öffnen ab heute Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte. Auch hier ist der Zugang beschränkt auf eine gewisse Anzahl pro Quadratmeter. Ferner geöffnet: körpernahe Dienstleistungen, Fahr- und Flugschulen. In Einzelfällen ist ein tagesaktueller Covid-Test notwendig. Außensport ist kontaktfrei mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten möglich (maximal 20 Kinder bis 14 Jahre).

• Wie geht es weiter? Entscheidend für weitere Maßnahmen sind die Schwellenwerte 50 sowie 100. Ab einem Inzidenzwert von 100 würden die Lockerungen widerrufen. Sollte der Wert der Neuinfektionen in München jedoch an drei aufeinanderfolgenden Tagen den Wert 50 unterschreiten, sind weitere Lockerungen denkbar. So wäre der Besuch von Museum, Tierpark oder Botanischem Garten dann etwa wieder ohne Termin möglich. Das Gleiche gilt für den Einzelhandel. Wichtig ist: Der Inzidenzwert muss an drei aufeinanderfolgenden Tagen unter 50 oder über 100 liegen. Dann erst erfolgt eine Bekanntmachung der Stadt, auf deren Grundlage weitere Maßnahmen möglich sind. Heißt: Frühestens am fünften Tag einer Inzidenz über 100 oder unter 50 ändern sich die Lockerungen.

Der Sprecher der Münchner Innenstadt-Händler, Wolfgang Fischer von City Partner, sagte, die Händler hätten sich im Vorfeld auf beide Szenarien – über 50 und unter 50 – vorbereitet. Die Unternehmen informierten Kunden im Internet und über die Newsletter, ob eine Terminvergabe notwendig ist. Er kritisiert aber die aus seiner Sicht „babylonische“ Kommunikation. Für die Organisation der Dienstpläne sei es schließlich schon ein Unterschied, ob ein Geschäft ganz öffne oder nur für wenige Kunden, die sich zudem vorher einen Termin besorgen müssten. Überdies befürchtet Fischer nun einen Einkaufstourismus. Denn während in München der Handel nur mit Terminvergabe öffnen darf, ist das Einkaufen in vielen umliegenden Landkreisen größtenteils ohne vorherigen Termin möglich (siehe Tabelle).

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