Die Deutschen – endlich nett

von Redaktion

SIMONE DATTENBERGER

Neulich bei einer Videokonferenz, die Freundinnen, Spezi Ludwig und ich tatsächlich hinbekommen hatten, startete ich eine satirische Provokation. So was in der Art hatte ich mir schon länger vorgenommen, jetzt im Corona-Tohuwabohu war es allzu schön passend. „Trotz aller Unbill heutzutage können wir uns doch freuen, dass Deutschland jetzt richtig gemocht wird“, warf ich der Runde hin. „Was soll der Kaas“, giftelte Lucia, und Marianne zog nur die Augenbrauen hoch.

„I her Di scho geh“, grinste Wiggerl. „Du moanst, wei koana mehr voa insara Bundeswehr Angst ham braucht. Die miaßn si ja am Spuiplatz die Gwehra von die Madln und Buama zambeddln.“ Ganz klar, Ludwig wollte mich kabarettistisch übertreffen. „Vielleicht haben die KSK-Burschen so viel beiseitegeschafft, dass die anständigen Soldaten nichts mehr zur Verfügung haben“, versuchte Marianne gleichzuziehen.

Eigentlich meinte ich weder die mit Klebeband zusammengehaltenen Panzer noch den verwunschenen Flughafen in Berlin oder die verfluchte Autobahnmaut, sondern eher die deutschen Organisationsleistungen rund um Corona. Da geht’s ja noch mehr um Menschenleben. Ich wollte halt die Tölpelhaftigkeit von Bund und Ländern, von so manchen Gemeinden und Landkreisen, Amtschefs und Verbandsvorsitzenden mit schwarzem Humor umdeuten: Endlich sind die Deutschen verpeilte Schlamper, aber eben nett und ungefährlich.

Von wegen tolle Organisatoren! Wir wurschteln uns so durch: In einem Landkreis wird flott geimpft; in München fährst du oft eineinhalb Stunden, um überhaupt zum Impfzentrum zu kommen – wenn du überhaupt kommen darfst. Und dein Hausarzt würde gern impfen, kann freilich nur mit den Zähnen knirschen, wei nix weidageht. Und wenn jemand etwas gut hinbekommt, wird er einfach ignoriert. Bloß nichts dazulernen.

Aber wir sind sympathisch. Die polnische Regierung barmt vor sich hin, weil ihr Feindbild schrumpelt wie ein alter Luftballon. Den kann niemand mehr zum Popanz aufblasen. Und die britische Boulevardpresse kann sich nur noch an vermeintliche Bösewichte im Königshaus klammern. Die so sehr gehätschelten Nazis kauft ihnen daheim keiner mehr als Bedrohung ab. Als Corona-Leugner sterben die ja eh, sagt sich der Engländer, und eine Impfung kriegen sie so schnell sowieso nicht.

Meine Freunde nannten mich zwar gspinnert bei diesen Gedanken, die Freude über die harmlosen Deutschen war ihnen trotzdem anzumerken.

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