In ganz Deutschland hatten Kritiker der staatlichen Corona-Maßnahmen unter dem Motto „Ein Jahr Lockdown-Politik – es reicht“ zu Protesten aufgerufen. In Dresden gingen Teilnehmer gewaltsam gegen Polizisten vor, zwölf Beamte wurden verletzt. In Stuttgart griffen Demonstranten nach Angaben der Polizei ein Fernsehteam an. In München kam derlei nicht vor – doch gab es hier im Nachgang Kritik am Vorgehen der Beamten.
Angemeldet waren drei Demonstrationen – die größte startete um 13 Uhr am Maxmonument. Statt der angemeldeten 500 waren etwa 2500 Menschen gekommen. Der Großteil hielt laut Polizeibericht die vorgegebenen Auflagen, also Maskenpflicht und Abstände, nicht ein. Die Polizei löste die Versammlung auf und forderte die Teilnehmer mit Durchsagen auf, die Maximilianstraße zu verlassen. Viele weigerten sich, sodass die Beamten einzelne Demonstranten wegtrugen.
Eine Versammlung am Königsplatz war für 11.15 Uhr geplant. Sie konnte nach Polizeiangaben allerdings gar nicht erst beginnen, weil die maximal erlaubte Teilnehmerzahl schon vor dem Start überschritten wurde.
Am Marienplatz wurde eine Demonstration ebenfalls wegen zu vieler Teilnehmer vorzeitig beendet: Weil statt der angemeldeten 200 etwa 600 Teilnehmer da waren, beendete die Versammlungsleiterin die Aktion gegen 16.30 Uhr selbst. Allerdings war der Protest damit nicht zu Ende – er gipfelte in einer Polonaise quer über den Platz.
Insgesamt wurden über 30 Ordnungswidrigkeiten wegen Verstößen nach dem Versammlungs- und Infektionsschutzgesetz und über 20 Straftaten angezeigt – unter anderem wegen falscher Atteste und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Unter den 30 Ordnungswidrigkeiten findet sich lediglich eine einstellige Anzahl wegen Verstoßes gegen die Maskenpflicht. Diese niedrige Zahl überrascht angesichts der Bilder der überwiegend maskenlosen Menge, und vor allem in den sozialen Netzwerken wurde das Vorgehen der Polizei als zu zaghaft kritisiert – in Zeiten steigender Inzidenzzahlen, in denen anderswo Kontaktbeschränkungen gelten.
Ein Polizeisprecher erklärte, die Beamten seien bewusst vorsichtig vorgegangen, um eine Eskalation zu vermeiden. „Wir haben nur gezielt Personen herausgezogen, was dann abschreckend auf andere wirken sollte. Aber natürlich müssen wir uns selbst kritisch hinterfragen und überlegen, solche Einsätze in Zukunft anders zu handhaben.“