Verwirrspiel um die Fußball-EM: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin will die EM-Partien im Juni auf alle Fälle mit Zuschauern austragen. OB Dieter Reiter (SPD) sagt, das könne aktuell niemand garantieren. Ein Rückzug Münchens sei dennoch kein Thema.
Die Nachricht kam so überraschend, dass OB Dieter Reiter gestern im Rathaus gleich spontan eine Sitzung des EM-Organisationsstabs einberief. UEFA-Präsident Ceferin war zuvor in Medien mit der Bemerkung zitiert worden: „Jeder Ausrichter muss garantieren, dass Fans zu den Spielen dürfen.“ Es gebe mehrere Szenarien. „Aber die Option, dass irgendein Spiel der EM ohne Fans ausgetragen wird, ist definitiv vom Tisch.“ Und bis zum 7. April müsse sich jede der zwölf Ausrichterstädte hinsichtlich der Zuschauerfrage erklären.
Bekanntlich findet die von 2020 auf 2021 verschobene Fußball-EM erstmals als paneuropäisches Turnier statt. In München sollen die Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden. Und weder die Stadt München noch der DFB wollen von diesem Plan abrücken. Auch wenn Ceferin angedeutet hat, dass Städte gestrichen werden könnten, die Geisterspiele planen. In dem Zusammenhang halten sich Gerüchte, wonach ein Großteil der Partien in Großbritannien stattfinden könnte, weil auf der Insel die Impfungen schon weit fortgeschritten sind.
Reiter erklärte am Mittwoch: „Es ist zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht möglich, eine Aussage darüber zu treffen, ob es das Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie zulässt, im Juni Zuschauer zuzulassen oder nicht.“ Klar sei aber, dass Veranstaltungen dieser Art mit Zuschauern nach den aktuellen Vorschriften nicht erlaubt sind. Das Vorpreschen der UEFA kritisierte der OB deutlich: „Ich würde mir gerade in diesen Zeiten wünschen, dass die Verantwortlichen hier den direkten Austausch mit den Gastgeber-Städten suchen, um gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten.“ Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, zeigte sich ebenfalls von Ceferins Aussagen irritiert: „Ohne Worte. Parallelwelt des Profifußballs“, ließ sie über Twitter verlauten.
Laut Sportamt planen die Stadt München und der DFB weiterhin mit verschiedenen Szenarien, was mögliche Zuschauer im Stadion betrifft. Natürlich sei es wünschenswert, dass bei den vier Spielen in München Zuschauer im Stadion sein könnten. Dies hänge aber von der zum Zeitpunkt der EM geltenden Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung ab. Das Sportamt betonte: „Ein Rückzug Münchens war und ist kein Thema.“
Aktuell sind in den Stadien Deutschlands keine Zuschauer erlaubt. Wann dieses Verdikt fällt, ist nicht absehbar und vom Verlauf der Corona-Pandemie sowie dem Impftempo abhängig. Der DFB erklärte am Mittwoch: „Der Schutz der Gesundheit von Spielern, Organisation und Fans im Rahmen der EM-Spiele in Deutschland ist unser oberstes Ziel.“ Daneben würde man gerne im Sinne der Fans die Vision erfüllen, dass auch Zuschauer die Spiele in München besuchen können. „Hierzu werden wir in den weiterführenden Gesprächen mit der UEFA und unseren Partnern in München bis in den April hinein fortlaufend erörtern, ob und wie die Umsetzung dieser Ziele gelingen kann.“ Von einem Ultimatum bis zum 7. April ist dem DFB offenbar nichts bekannt. KLAUS VICK