Anpacken statt reden

von Redaktion

VON ANDREAS THIEME

Seine Idee wurde einst belächelt. Mit umweltfreundlichen Fahrzeugen wollte Elon Musk (49) helfen, den Klimawandel zu besiegen und gründete Tesla. Heute ist Elon Musk einer der reichsten Männer der Welt. Lässt sich diese Geschichte wiederholen? Gut möglich – und zwar in München.

Ja, auch in der Isar-Metropole sind drei junge Unternehmer voll in der Erfolgsspur. „Unsere Vision ist eine Welt ohne fossile Energien“, sagt Laurin Hahn (26). „Um das zu erreichen, wollen wir jedes Auto auf den Straßen elektrisch und teilbar machen.“ Im Jahr 2016 gründete er mit Navina Pernsteiner und Jona Christians das Start-up Sono Motors. Schon im kommenden Jahr wollen sie serienweise das erste selbstladende Elektroauto vertreiben.

Die Idee – sie ist jetzt schon so gut, dass Insider aus der Autobranche über einen Börsengang von Sono Motors spekulieren. Laurin Hahn sagt dazu nur: „Wir fokussieren uns auf die Realisierung weiterer Fundings bis zum Start der Produktion.“ Denn die Finanzierung ist bisher die größte Hürde. Mit einem Börsengang aber könnten die jungen Unternehmer eine Massenproduktion ermöglichen und diese Hürde nehmen. Bei Auto-Experten sorgten sie im Januar zuletzt für großes Aufsehen, als sie ihren Prototypen Sion auf der Technikmesse CES vorgestellt haben.

Vor fünf Jahren waren das allenfalls kühne Träume. In einer Garage bauten Laurin und Jona ihr erstes Elektroauto mit integrierten Solarmodulen. Mittlerweile gibt es zwei Prototypen und 130 Mitarbeiter werkeln daran, „die Vision von Sono Motors zu verwirklichen“, so Laurin.

Als Schüler an der Waldorfschule in Schwabing tat er seine ersten Schritte als Unternehmer. „Ich bin von meinen beiden Brüdern früh inspiriert worden, ich war gerade einmal 17 Jahre alt. Wir haben einfach Dinge angepackt, anstatt lange zu reden“, sagt der Macher. Den Wannda Circus und Märchenbazar brachten die Brüder auf den Weg. „Hieraus sind dann später weitere Projekte entstanden.“ Die Alte Utting etwa von Daniel Hahn oder der Bahnwärter Thiel.

„Unglaublich, was meine Brüder da auf die Beine stellen. Ich hatte jedoch den Drang etwas für die Umwelt zu tun“, sagt Laurin. „Wir leben auf diesem Planeten, als gäbe es kein Morgen. Das wollte ich ändern.“ Mit Jona Christians und Navina Pernsteiner fand er Mitstreiter, um Sono zu gründen. Jona und Laurin leiten heute die Firma.

„Das größte Hindernis auf dem Weg zur eigenen Gründung ist man selbst“, sagt Laurin. Bloß nicht scheitern: So sei die deutsche Denke. Ihm halfen Mut und Zuversicht, als er das erste Auto drei Jahre lang mit Jona in der Garage bastelte. Und als ihr Modell zum ersten Mal die Straße hoch und runter fuhr, „wussten wir, dass wir eine Firma gründen werden.“

Doch dafür braucht es Geld, Kredite. „Der klassische Weg kam für uns nicht infrage, also haben wir es anders gemacht und über Crowdfunding 850 000 Euro eingesammelt.“ Drei Viertel durch Vorfinanzierungen, der Rest durch Investoren und Spenden.

So konnte das Start-up ein Team aufbauen, Experten einstellen und Zulieferer beauftragen. „Heute hat Sono rund 100 Millionen Euro in Funding und wächst sehr stark“, sagt Laurin. Er ist stolz, „dass alles nur möglich war, weil ein paar wildfremde Menschen da draußen an unsere Vision geglaubt, uns vertraut und beim Crowdfunding unterstützt haben.“

Sein Ziel: „Vorbild dafür werden, wie wir individuelle Mobilität ermöglichen und gleichzeitig das bewahren, was uns wichtig ist: die Umwelt, die Menschen und die Natur.“ Inspiration findet Laurin dafür weniger bei Tesla-Boss Musk als bei Erfinder Boyan Slat. Der hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Meere vom Plastikmüll zu befreien.

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