Der Bund Naturschutz (BN) spricht sich gegen die temporäre Seitenstreifenfreigabe auf der A99 beim Allacher Tunnel (wir berichteten) aus. Die Erhöhung der Kapazität würde mehr Verkehr anlocken und damit die Verkehrswende weiter verzögern. „Genau das ist auch bei der Eschenrieder Spange passiert“, sagt der Münchner BN-Vorsitzende Chrsitian Hierneis. Diese hätte eine Verkehrsentlastung bringen sollen, stattdessen werde jetzt ein weiterer Ausbau der Autobahn geplant. Außerdem verweist der BN auf die erheblichen Eingriffe in teils geschützte Biotope und in die Lebensräume streng geschützter Arten durch die nötigen Umbauten am Allacher Tunnel. Mehr als 21.000 Quadratmeter Flächen würden neu versiegelt, knapp 100.000 Quadratmeter Gehölzflächen gerodet. Flächenverlust sei einer der größten Treiber beim Artensterben und müsse daher unbedingt vermieden werden, heißt es in der Stellungnahme des BN. Hierneis schlägt statt des Ausbaus daher vor, lieber den lang geforderten S-Bahn-Nordring auf Teilen der Fahrspuren der A99 zu planen. and
Das ehemalige Zwangsarbeiterlager in der Ehrenbürgstraße 9 in Neuaubing soll nach den Plänen der Stadt als Außenstelle des Münchner NS-Dokumentationszentrums saniert werden und somit als Lern- und Erinnerungsort erhalten bleiben. In einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen forderte der Bezirksausschuss (BA) das NS-Dokumentationszentrum zusammen mit dem Kommunalreferat und der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) auf, über den aktuellen Status der geplanten Sanierung informiert zu werden und diese im Hinblick auf den 80. Jahrestag der Errichtung des Barackenensembles im Dezember 2022 zügig fortzusetzen. Weiter forderte das Bürgergremium, an der Erstellung eines Konzeptes für eine würdige Gedenkveranstaltung im nächsten Jahr beteiligt zu werden. In dem ehemaligen Barackenlager, in dem heute Künstler, Handwerker und unter anderem ein Kindergarten untergebracht sind, lebten von 1942 bis 1945 rund 1000 Zwangsarbeiter. Wie berichtet, wurden für die Sanierung des weitgehend erhaltenen Barackenensembles im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ 1,66 Millionen Euro bewilligt. mwh
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat den vor 100 Jahren geborenen Judaisten und Historiker Ernst Ludwig Ehrlich gewürdigt. Der Wissenschaftler habe wie kaum ein anderer den christlich-jüdischen Dialog im 20. Jahrhundert geprägt, erklärte Knobloch am Freitag in München, einen Tag vor Ehrlichs Geburtstag. Als Überlebender der nationalsozialistischen Judenverfolgung habe er diesem Dialog seine ganze Kraft gewidmet. kna