Zu wenig Impfstoff: Der Wutbrief eines Hausarztes

von Redaktion

Die Warteliste von Dr. Karlheinz Zeilberger (Foto) ist lang. Über 300 Patienten stehen darauf – sie alle warten auf eine Corona-Impfung. Doch: Der Impfstoff fehlt. Zwischen 18 und 48 Dosen kann der Internist und Sportmediziner pro Woche anfordern. Mit den ersten 48 Dosen schaffte er es diese Woche sogar, 56 Patienten zu impfen. „Wenn man besonders exakt arbeitet, kann man aus einem Fläschchen eine siebte Dosis rauskriegen“, erklärt er. Für kommende Woche bestellte er die gleiche Menge. „Aber es wurde drastisch gekürzt.“ Nur zwölf Impfdosen erhält seine Praxis. Viele Termine mussten die Mitarbeiter absagen.

In seiner Praxis hat er einen Wutbrief ausgelegt, in dem er das Problem schildert. Darin heißt es: „Zusagen seitens der ,Regierung’ vertraue ich nicht mehr. Erst wenn der Impfstoff im Kühlschrank liegt, kann ich planen. Dann ist es aber zu spät, um Termine zu vergeben für eine hohe Zahl an Impfungen…“

Laut bayerischem Gesundheitsministerium verringert sich die Impfmenge für die Hausärzte nicht: 146 000 Dosen hätten sie diese Woche erhalten, kommende Woche seien es sogar 159 000. Zeilberger bekommt trotzdem weniger – und auch viele andere Ärzte sind verunsichert. Die Seite „Business Insider“ berichtet, dass ihr ein Dokument des Bundesgesundheitsministeriums vorliege, wonach die Impfstoff-Lieferungen für Hausärzte zugunsten der Impfzentren reduziert werden sollen.

Unter Hausärzten regt sich Protest: Kürzungen würden „ein Ausbremsen der Impfkampagne in den Arztpraxen und einen großen Vertrauensverlust bedeuten“, kritisiert Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer. Auch der bayerische Hausärzteverband wehrt sich. „Die auf Bundesebene zu hörende Idee, Lieferschwankungen einseitig auf dem Rücken der Praxen auszutragen, ist völlig inakzeptabel“, sagt der Vorsitzende Markus Beier. Das würde „bei der Mehrheit der Menschen jeglichen Rest an Vertrauen in die Impfpolitik der Bundesregierung zerstören“. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) betonte, dass es nicht weniger Impfstoffe für Arztpraxen geben soll. Zwar seien Veränderungen nie auszuschließen, aber: „In aller Regel liegt es daran, dass aufgrund der Produktionsabläufe weniger geliefert werden kann.“ Bundesweit gebe es kommende Woche 1 012 000 Impfdosen für die Praxen. In der darauffolgenden Woche werde erneut eine ähnliche Menge erwartet.

Auch Karlheinz Zeilberger hofft, dann wieder mehr Impfstoff zu bekommen. „Wenn ich zwischen 30 und 48 Impfdosen in der Woche bekommen könnte, dann wäre ich mit acht bis zehn Wochen mit allen Patienten durch“, sagt er. Doch: „Ich kann überhaupt nicht planen. Wir schenken viele Impfmöglichkeiten her.“ CLAUDIA SCHURI/FOTO: MARCUS SCHLAF

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