München – Es ist ein Anblick zum Fürchten. Der Flur liegt in Schutt in Asche. Die Wände: völlig verrußt. Nur das Mauerwerk steht noch im fünften Stock des Mehrfamilienhauses in der Welfenstraße 21. In der Au ist es am Donnerstagfrüh zu einem Brand gekommen, der zwei jungen Frauen beinahe das Leben gekostet hätte – wie durch ein Wunder kamen sie mit dem Schrecken davon.
„Um 4.30 Uhr bin ich von kleinen Knall wach geworden“, sagt Sandra G. (28). „Durch die lichtdurchlässige Tür habe ich gleich gesehen, dass es im Flur brannte.“ Die Angestellte bekommt es mit der Angst zu tun, aber versucht gleich, nach ihrer Mitbewohnerin Vanessa (28) zu schauen. „Als ich aus dem Bett aufgestanden bin, kam es im Flur zu einer großen Explosion“, schildert Sandra. „Plötzlich brannte alles lichterloh. Ich habe geschrien und wusste gar nicht, wohin ich flüchten soll. Vanessa hat mich dann befreit.“
Barfuß und im Nachthemd gelingt den beiden Frauen die Flucht aus der brennenden Wohnung. „Wir sind sprichwörtlich um unser Leben gelaufen“, sagt Sandra. „Im Treppenhaus haben wir dann sofort bei den Nachbarn geklingelt und die Feuerwehr gerufen.“ Einsatzkräfte können die Flammen zwar löschen und dadurch Schlimmeres verhindern, die Wohnung im fünften Stock wird durch das Feuer aber völlig zerstört.
Inzwischen hat auch die Polizei den Fall gründlich untersucht. „Ursache war ein Akkubrand“, sagt Sprecherin Claudia Künzel. Die Batterie gehörte zu einem Elektroroller, der Sandra G. gehört.
Doch wie konnte es zu dem Unglück kommen? „Grundsätzlich finden tagtäglich Millionen von Ladevorgängen statt, ohne dass es Komplikationen gibt. Wenn es zu einem Brandfall kommt, muss immer ein Defekt vorhanden sein, entweder am Akku selbst oder dem Ladegerät“, sagt Florian Hördegen vom ADAC Südbayern. Defekte entstehen durch mechanische Einwirkungen oder einen Zellschluss, Ursache kann auch Überladen und Überhitzen sein. Dann wird es gefährlich: Innerhalb von 15 Sekunden kommt es zur Explosionen mit Brand, wie Studien belegen.
„Man spricht vom thermischen Durchgehen. Der Akku geht dabei in einer heftigen Reaktion in Flammen auf“, erklärt Dirk Moser-Delarami vom TÜV Süd. „Unserer Erkenntnis nach entstehen die meisten Brände in der Ladephase.“ Produktionsfehler kämen seltener vor, könnten aber auch im aktuellen Brandfall eine Rolle spielen (siehe Kasten). Der TÜV-Experte stellt jedoch klar: „Bei sachgerechter Handhabung geht von Li-Ionen-Akkus kein außergewöhnliches oder erhöhtes Brandrisiko aus; die Technik ist in dieser Hinsicht alltagstauglich.“ Es komme „kaum jemals vor, dass ein Akku einfach so zu brennen anfängt.“ Damit die Batterie überhitzt oder gar in Flammen aufgeht, müssen etwa das Gehäuse, die Kontaktierung oder der Akku selbst beschädigt sein.
Was im Falle von Sandra und Vanessa in der Welfenstraße genau geschehen ist, wird noch untersucht. Fest steht allerdings schon jetzt: Durch den Brand haben die beiden Bewohnerinnen ihr Zuhause verloren – und stehen unter Schock. Eine Hausratversicherung haben beide nicht. „Zum Glück haben wir überlebt. Aber die Situation ist jetzt sehr schwer für uns. Wir stehen vor dem Nichts“, sagen die Frauen. Wer sie in ihrer Not unterstützen möchte, kann mit Spenden helfen. Informationen hierzu im Internet unter https://t1p.de/65yc.