Endlich wieder das Bauchkitzeln beim Karussellfahren spüren, sich beim Dosenwerfen messen oder Künstler live auf der Bühne erleben: Der „Sommer in der Stadt“ soll zurückkehren. Der Stadtrat entscheidet am Mittwoch über eine Neuauflage des Veranstaltungsprogramms. Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) hofft auf die „kraftvolle Unterstützung aller Fraktionen“. Er sieht den „Sommer in der Stadt“ als „niederschwelliges Angebot für alle Münchner und Anreiz für die Schausteller“. Geht es nach ihm, könnte es schon am 15. Juli starten.
Das angedachte Ende ist vor dem Beginn der Internationalen Automobilausstellung im September. Zuerst aber müssen Möglichkeiten zur Finanzierung gefunden werden. Denn aufgrund der für das laufende Jahr geltenden Haushaltssperre kann Baumgärtners Referat das Geld nicht automatisch freischalten. Die Stadt geht von Kosten in Höhe von 715 000 Euro aus. Das positive politische Signal dürfte wohl in der Vollversammlung kommen. Christian Müller, SPD-Fraktionchef, sagte unserer Zeitung: „Der ,Sommer in der Stadt‘ hat den öffentlichen Raum in München im vergangenen Jahr belebt und den Schaustellern und Beschickern über eine schwierige Zeit geholfen. Das wollen wir heuer trotz knapper Kassen wiederholen.“ Eine Möglichkeit wären Finanzmittel aus dem staatlichen Sonderfonds „Innenstädte beleben“.
Bei den Schaustellern wäre die Freude riesig: „Wir sind bereit“, sagt Peter Bausch vom Münchner Schaustellerverein. „Es ist die einzige Möglichkeit, unserem Geschäft nachzugehen, und für die Bürger eine schöne Abwechslung.“ Nicht nur die Wiesn, sondern auch die kleineren Volksfeste seien fast alle abgesagt. Dabei ist Bausch überzeugt: „Von uns geht unter freiem Himmel keine Gefahr aus.“ Derzeit laufe eine Abfrage, welche Schausteller sich beim „Sommer in der Stadt“ beteiligen möchten.
Dem ersten Konzept zufolge könnte im Olympiapark ein 55 Meter hohes Riesenrad seine Runden drehen. Platz für Buden, Fahrgeschäfte und Gastronomiebetriebe könnte unterhalb der Olympiahalle, am Hans-Jochen-Vogel-Platz und entlang des Olympiasees sein. Der Verband der Münchner Kulturveranstalter möchte auf einer Bühne im Olympiastadion Musikkonzerte organisieren.
Auch am Königsplatz wird es ein 45 Meter hohes Riesenrad geben. Außerdem wären dort ein Kultur-Open-Air und Theatervorstellungen möglich. Viele weitere Attraktionen sind auf der Theresienwiese geplant. Wichtig ist Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner aber, dass jede Ähnlichkeit mit dem Oktoberfest vermieden wird. Sowohl optisch als vom zeitlichen Ablauf. So würden keine Zelte aufgestellt, allenfalls kleine Biergärten seien erlaubt. Ideen für die Theresienwiese sind stattdessen ein Palmengarten, ein Beachvolleyball-Platz, eine Boulderwand und viele Spiel- und Sportangebote. Auch kulturelle und künstlerische Veranstaltungen könnten dort stattfinden.
Für alle Sportbegeisterten soll es zudem weitere kostenlose Fitnessangebote in Parks und auf städtischen Schulsportanlagen geben. Hinzu kommen dezentrale Aktionen im gesamten Stadtgebiet. Das dient auch der Entlastung von Orten, an denen sich häufig besonders viele Menschen treffen. Unter dem Motto „Viertelliebe“ könnten die Münchner bei Stadtteilführungen immer neue Teile ihrer Heimat entdecken. CLAUDIA SCHURI / KLAUS VICK