München zählt zu den reichsten Städten Deutschlands – und doch gibt es bei uns Armut im Überfluss. Rund 22 000 Bedürftige versorgt die Münchner Tafel derzeit mit gespendeten Lebensmitteln, das sind zehn Prozent mehr als vor der Corona-Pandemie. Erst im Mai wurde im Hasenbergl eine neue Ausgabestelle eröffnet. Gestern nun kam die 28. Station dazu: an der Bäckerstraße 19 in Pasing.
Vor der Kirche Maria Schutz wird sich künftig Axel Schweiger, der Leiter der neuen Ausgabestelle, mit seinen 30 Helfern jeden Mittwoch ab 13.30 Uhr um die Bedürftigen kümmern. Anfangs um 180 Familien, später soll die Station an die 300 Menschen versorgen: „Pasing ist ein sozialer Brennpunkt, ich bin froh, dass wir diese neue Stelle an der Kirche haben“, sagt Schweiger, der sich seit fast zehn Jahren bei der Tafel engagiert. Auch Tafel-Chefin Hannelore Kiethe ist dankbar, dass jetzt noch mehr Menschen geholfen werden kann. „Solange wir großherzige Spender haben, können wir weitermachen.“
Pro Station sind 20 bis 25 Supermärkte nötig, die ihre Ware an die Tafel abgeben. Denn jedes Jahr werden 6,5 Millionen Kilo Lebensmittel verteilt. 650 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz, um die gespendeten Lebensmittel zu verteilen.
Die Hilfe ist bitter nötig, findet auch Fußball-Legende Paul Breitner (69), der mit Ehefrau Hilde seit 14 Jahren immer montags an der Ausgabestelle in Haidhausen Lebensmittel verteilt. „Die Eröffnung der 28. Station in Pasing ist für die Tafel ein guter Moment: Wir haben so viel Unterstützung von Supermärkten und ehrenamtlichen Helfern, um auch in Pasing die Not der Bedürftigen etwas abfedern zu können“, sagt Breitner und fügt hinzu: „Für unsere Gesellschaft aber ist es ein bitterer, ein trauriger Tag.“ Denn in der Politik werde weiterhin nur geredet. Breitner: „Doch es gibt nach wie vor kein Konzept gegen die Armut bei uns. Dabei stecken wir schon mitten drin in der dritten Welle der Altersarmut!“ Die erste und zweite Welle habe es nach dem Krieg und dem Wirtschaftswunder gegeben. „Betroffen sind jetzt vor allem die 35- bis 60-jährigen Geringverdiener, die in ein viel größeres Loch fallen als zuvor. Denn die Kosten für den Lebensunterhalt, für die Miete steigen immer weiter.“
Schon jetzt verteilt die Münchner Tafel 125 Tonnen Ware pro Woche an ihre Gäste. Der Weltmeister von 1974 ist sich sicher: „Hätten wir genug Lebensmittel, könnten wir wahrscheinlich 50 Ausgabestellen aufmachen“, sagt Breitner.
Deshalb freut sich Tafel-Chefin Kiethe über jeden, der den Verein unterstützen möchte.
Wer sich engagieren will – sei es auch nur kurzfristig über den Sommer – soll sich bei Evi Schaflitzl melden: Tel: 0173 / 435 58 75; E-Mail: schaflitzl@muenchner-tafel.de
Wer die Lebensmittel-Hilfe der Tafel in Anspruch nehmen möchte, muss sich zuerst bei der telefonischen Sprechstunde anmelden. Mittwochs zwischen 14 und 15.30 Uhr, Tel. 089/29 22 50.