Im Internet dokumentiert Jerome Boateng (32) derzeit, wie hart er trainiert. Fast täglich postet der Fußballer, der beim FC Bayern aussortiert wurde, neue Videos. Dienstliche Verpflichtungen hat Boateng derzeit aber wohl kaum. Zu seinem Zivilprozess am Landgericht kam er am Freitag trotzdem nicht.
Dort ging es um einen Unfall, den Boateng im Juni 2020 in der Grünwalder Straße verursacht haben soll. Schönheitschirurg Ludger Meyer (58) hatte den Kicker verklagt und bekräftigte: „Er ist mir hinten drauf gefahren.“ Um acht Uhr morgens soll Boateng in seinem Mercedes G-Klasse Richtung Trainingsgelände gefahren sein. Vor ihm fuhr der Mediziner im Maserati Levante. Meyer: „Vor mir fuhr ein Müllwagen. Ich musste bremsen.“ Von hinten sei Boateng angebraust gekommen. „Zum Glück sah ich, dass ein Müllmann auf die linke Spur trat“, sagt Meyer. „Ich musste erneut verkehrsbedingt bremsen. Das Nächste, was ich wahrnahm, war ein heftiger Aufprall hinten.“
Rund 8800 Euro macht der Schönheitschirurg als Schaden am Auto geltend, außerdem 4500 Euro Schmerzensgeld und rund 38 000 Euro Verdienstausfall, weil er nach dem Unfall Schmerzen gehabt habe und vier Wochen nicht operieren konnte. Boateng schwänzte den Prozess, schickte Anwältin Dr. Gina Schneider. Die streitet jede Schuld ab und behauptet, Meyer habe illegal die Spur gewechselt. Das Gericht ordnete mehrere Gutachten an, der Prozess wird sich noch hinziehen. ANDREAS THIEME